Biodiversität/Landwirtschaft/Rainforest Alliance/SAN

Kakaoanbau im Umfeld des Tai National Park in der Côte d’Ivoire – Videointerview mit James Lomax von der UNEP

Heute und in den nächsten Wochen wenden wir uns verstärkt dem Taï National Park im Südwesten der Côte d’Ivoire zu. Seit einiger Zeit arbeiten wir dort im Verbund mit einer Reihe anderer Organisationen und Institutionen zusammen, um im Umfeld des Parks Kakao anbauende Bauern und Gemeinden für eine Umstellung von konventioneller auf eine nachhaltige Landwirtschaft gemäß SAN-Standard (Sustainable Agriculture Network-Standard) zu gewinnen. Farmer, die die strengen ökologischen, sozialen und ökonomischen Kriterien des SAN-Standards erfüllen, dürfen das Siegel Rainforest Alliance Certified™ führen. Dabei soll die Arbeit in Nachbarschaft zum Taï National Park nicht nur den Bauern und ihren Familien ein dauerhaft besseres Auskommen ermöglichen. Das Engagement als Teil des mehrjährigen gemeinsamen Entwicklungsprojektes „Greening the Cocoa Industry“ von UNEP, GEF und der Rainforest  Alliance soll auch dazu beitragen, dass das schützenwerte Ökosystem Taï National Park erhalten bleibt. Denn der Park ist ein einzigartiger, artenreicher Naturraum. Der Park gehört bereits seit den 1970er-Jahren zu den Biosphärenreservaten und ist seit 1982 auch UNESCO-Weltnaturerbe. Er ist Heimat für eine Vielzahl von bedrohten Tierarten, darunter für Schimpansen, Waldelefanten, Zwergflusspferde, Meerkatzen, Bongos oder Zebraducker.

© Wild Chimpanzee Foundation

© Wild Chimpanzee Foundation

Leider sind Kakao-, aber auch Kautschukfarmer immer mehr in die Pufferzonen des Parks vorgedrungen, in denen landwirtschaftliche Nutzung untersagt ist. Auch haben Farmer dort immer wieder sogenanntes Bush Meat (also wildlebende Tiere) gejagt und sind dafür auch über die Parkgrenzen getreten. Wer jedoch in Ökosysteme mit hohem Wert für die Artenvielfalt (high value eco-systems) eingreift, dessen Farm darf nach den Regeln des SAN-Standards nicht belohnt und also auch nicht zertifiziert werden. Daher motivieren die Projektteams die Farmer und ihre Familien dazu, Kakaoanbau ausschließlich auf vorhandenen, geeigneten Flächen außerhalb von Park und Pufferzonen zu betreiben. Auch müssen gute agrarische Praktiken etabliert werden, der synthetische Dünger- und der Pestizideinsatz reduziert, Ertragssteigerungen erzielt und viele verschiedene heimische Schattenbäume gepflanzt werden. Dafür braucht es nicht nur theoretische Weiterbildung, sondern auch viele praktische Schulungen, die zum Beispiel als Farmer Field Schools bei teilnehmenden Kooperativen und Erzeugergemeinschaften umgesetzt werden. All dies geschieht unter der maßgeblichen Leitung von Melanie Bayo von der ivorischen Nichtregierungsorganisation CEFCA, die in der Côte d’Ivoire Partner der Rainforest Alliance ist. Die Initiative involviert zudem eine Reihe weiterer Partner, darunter die OIPR (Ivorische Behörde für Schutzgebiete und Nationalparks), die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), die WCF (hier gemeint: die Wild Chimpanzee Foundation) und Barry Callebaut (den führenden Hersteller von Kakao- und Schokoladeprodukten).

Aktuell haben wir mit James Lomax gesprochen, dem zuständigen Experten beim United Nations Environment Programme (UNEP). Er erklärt uns heute und mit den kommenden Frogcasts seine Sichtweise der Dinge. Beispielsweise welchen Einfluss der Kakaoanbau auf die Entwaldung in Westafrika hat und was für James Lomax so besonders am Taï National Park ist und was diesen besonderen Naturraum gefährdet.

Besonderen Respekt verdient im Zusammenspiel der beteiligten Organisationen die Wild Chimpanzee Foundation (WCF) unter der Leitung ihres Gründers Professor Dr. Christophe Boesch, der auch als Direktor beim Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie für die Primatenforschung verantwortlich zeichnet. Boesch und sein Team forschen seit über 30 Jahren in der Region und kämpfen für den Schutz der im  Taï National Park lebenden Schimpansen. In jüngster Zeit ist ihnen ein besonderer Coup gelungen: Sie haben „Disney“ über Jahre dabei unterstützt, einen spektakulären Dokumentarfilm zu realisieren, der in diesem Jahr in die europäischen Kinos gekommen ist. Auch wenn es Kritik an diesem Film gibt, so lenkt er doch die Aufmerksamkeit von Millionen Menschen auf das Weltnaturerbe Taï National Park, von dem die allermeisten Europäer bis vor kurzem noch nie etwas gehört haben dürften.

To be continued.

3 thoughts on “Kakaoanbau im Umfeld des Tai National Park in der Côte d’Ivoire – Videointerview mit James Lomax von der UNEP

  1. Pingback: Kakaoanbau anders: Wege zum Erhalt der Artenvielfalt im und um den Tai National Park |

  2. Pingback: Die Stiftung für wildlebende Schimpansen | Rainforest Alliance: The Frog Blog

  3. Pingback: Gemeinsam für den Taï National Park – Teil 3 | The Frog Blog Deutsch

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s