Rainforest Alliance/Tourismus

Nachhaltig Reisen – Ein Reisebericht aus Ecuador Teil I

Ecuador – allein der Name des exotischen Landes lässt in vielen Menschen Fernweh aufkommen. Kein Wunder — kann der lateinamerikanische Pazifikstaat doch viele Attraktionen vorweisen: Von den Überresten einer alten Hochkultur, über den tropischen Regenwald bis hin zu dem Hochgebirge der Anden oder dem Weltnaturerbe Galápagos-Inseln ist Ecuador ein einziges Urlaubsparadies. So vielfältig das Land und die Leute sind, so vielfältig sind auch die Ökosysteme. Dem Schutz dieser wertvollen Naturräume hat sich die Rainforest Alliance verschrieben. Teils, indem sie die landwirtschaftliche Praxis verändert. Teils, indem sie die negativen Auswirkungen des Tourismus eindämmt.

Zusammen mit ihren Partnerorganisationen im Netzwerk für nachhaltige Reiseveranstalter (TOPS) unterstützt die Rainforest Alliance Anbieter nachhaltiger Urlaubsangebote darin, ihre Produkte bekannter zu machen.

Ob die Angebote wirklich nachhaltig sind und nicht nur eine weitere Marketingmasche, konnte Silvia Richter, Redakteurin bei Rural21, selbst überprüfen. Angefangen in Quito ging es auf der berühmten „Straße der Vulkane“ entlang einmal über die Anden. Ihr persönlicher Erfahrungs- und Reisebericht über ihre Stopps in Rainforest-Alliance-verifizierten Hotels in Ecuador wird in mehreren Teilen hier im FrogBlog veröffentlicht.

Es startet heute mit dem ersten Teil.

Auf der Avenida de los volcanes – Nachhaltig reisen in Ecuador

Wer neugierig auf ferne Länder und Kulturen ist und dennoch keine „Ist-mir-doch-egal“-Haltung gegenüber Umwelt- und Naturschutz hat, kämpft spätestens beim Einsteigen ins Flugzeug stets mit dem schlechten Gewissen. Zumal, wenn es wie bei dieser Pressereise für gerade einmal eine knappe Woche nach Ecuador gehen soll. Fünf Tage vor Ort, dafür 10.200 Flugkilometer hin und ebenso viele zurück – der WWF gibt dafür eine Belastung der Atmosphäre mit 6,65 Tonnen CO2an. Eigentlich nicht zu verantworten, sagt das Umweltbewusstsein. Aber es soll doch bei dieser Reise gerade gezeigt werden, wie Tourismus nachhaltig gestaltet werden kann, widerspricht die journalistische Neugier. Und außerdem wäre es doch toll zu sehen, was sich in den vergangenen knapp 20 Jahren verändert hat, fügt die ganz persönliche Sehnsucht hinzu. Werden die schneebedeckten Vulkane immer noch so viel Staunen hervorrufen, wird die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten noch so faszinieren, die Freundlichkeit der Menschen noch immer so begeistern wie damals zu Studentenzeiten? Um es gleich vorwegzunehmen: Ja, sie werden. Weswegen das schlechte Gewissen seinen Kampf auch recht schnell verloren hat.

Hotel Patio Andaluz im Herzen der Altstadt Quitos.

Hotel Patio Andaluz im Herzen der Altstadt Quitos. Das Hotel hat 2006 die ersten Schritte in Richtung nachhaltiges Management unternommen und hierfür unter anderem die „Smart-Voyager-Auszeichnung“ – die Nachhaltigkeits-Zertifizierung für lateinamerikanische Tourismus-Unternehmen – erhalten.

Am Flughafen in Quito werden wir von José empfangen; der junge Reiseleiter wird uns in den kommenden Tagen begleiten und uns in perfektem Englisch spannende Einblicke in die Natur und Kultur, in die wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten seines Landes geben. Eine halbstündige Fahrt durch das nächtliche Quito bringt uns ins Patio Andaluz – die erste von vier Unterkünften, die uns am eigenen Leib erfahren lassen soll, was es mit der Arbeit der Rainforest Alliance im nachhaltigen Tourismus auf sich hat. Erste Indizien sind schnell sichtbar: Zwei mit Trinkwasser gefüllte Plastikflaschen zum Zähneputzen im Bad sind mit der Empfehlung versehen, diese nach Gebrauch nicht in den Mülleimer wandern zu lassen, sondern sie an der „Zapfstelle“ in einem der Aufenthaltsräume des Hotels wieder aufzufüllen. Gleich daneben steht ein geflochtener Korb bereit, der um recycelbare Materialien – Papier, Glas, Plastik – und Batterien bittet.  An Bad- und Zimmertür erinnern geschmackvoll gerahmte Schilder in Spanisch und Englisch daran, beim Verlassen des Raums das Licht auszuschalten. Und ein Blick in den Schrank zeigt nicht die übliche Plastiktüte, in die der Gast seine Schmutzwäsche zwecks Reinigung geben kann, sondern einen Jutesack. Neben den durchgängig eingesetzten Energiesparlampen kommen Maßnahmen hinzu, die auf den ersten Blick nicht auffallen: Seife und Bodylotion, die den Gästen zur Verfügung gestellt werden, sind ebenso biologisch abbaubar wie die verwendeten Reinigungsmittel. Und abnehmbare Filter am Wasserhahn verringern den Wasserdruck und damit auch die durchlaufene Wassermenge.

Umweltschutz, stilvoll arrangiert: Geschmackvoll dekorierte Schilder sollen die Gäste zum bewussteren Umgang mit wertvollen Ressourcen animieren.

Dem Urlauber aus Deutschland, der mit Mülltrennung, „Jute-statt-Plastik“-Logos und dem „Autofreien Sonntag“ aufgewachsen ist, mag dies alles zunächst als nichts Besonderes erscheinen. Wer allerdings schon andere Länder auf dem Kontinent besucht hat und sich mit Grausen an Unmengen von Plastikmüll erinnert, die Straßen, Wälder und Strände säumen, wer sich noch einmal den im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden „Duft“ in die Nase zurückholt, den die Reinigungsmittel-Abteilung des Supermarktes hinterlassen hat, ist begeistert. Zumal das Hotel im Herzen der historischen Altstadt Quitos, das durch seine Architektur aus dem 16. Jahrhundert besticht, sich mit Zimmerpreisen zwischen 200 und 250 US-Dollar nicht an den „typischen“ Öko-Urlauber richtet, dem Energiesparen und Müllvermeidung ohnehin längst in Fleisch und Blut übergegangen sind. Natürlich ist auch das Bewusstsein für Umweltschutz ein Luxus, den nur derjenige sich leisten kann, dessen größte Sorge es nicht ist, ob er für sich und seine Familie auch am nächsten Tag genug zu essen hat. Und natürlich ist sich auch Juan Francisco Àlvarez, Verkaufsleiter des Patio Andaluz, darüber im Klaren, dass seine Angestellten, die sich mit der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags auch zum Einhalten der strengen Umweltauflagen verpflichten, dies in erster Linie wohl nicht aus Überzeugung tun, sondern weil ihnen ihr Job lieb und teuer ist. „Früher oder später werden sie aber verstehen, dass wir langfristig nur diese eine Richtung einschlagen können, wenn wir unsere Umwelt erhalten wollen“, ist der Hotelier überzeugt. Für das Patio Andaluz jedenfalls haben sich die Maßnahmen längst in Form gesunkener Ausgaben für Wasser, Energie und Verbrauchsmaterialien ausgezahlt. Und auch die Gäste, die über Bewertungsbögen auf den Zimmern nach ihrer Meinung gefragt werden, geben dem Bemühen des Hotels um den Umweltschutz gute Noten.

Verkaufsleiter Juan Francisco Àlvarez: „Wir haben extra Ausbilder, die sich um die Schulung neuer Mitarbeiter in Sachen Umweltschutz kümmern.“

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s