Landwirtschaft/Rainforest Alliance/SAN

Lieber mit als ohne Siegel

In Rio ist gerade eine Studie vorgestellt worden, die maßgeblich durch das SECO – das Schweizerische Staatsekretariat für Wirtschaft finanziert wurde. Sie zeigt die Auswirkung von Zertifizierungen in acht Ländern Lateinamerikas und Afrikas aufgrund von Daten von mehr als 5000 Kaffee- und Kakao-Farmen.

Fazit: Die Zertifizierung ist eine gute Sache für die Bauern und für die Natur. Alle bekannten Siegel und Labels (Fair Trade, Bio, Utz Certified und Rainforest Alliance Certified) bringen den Menschen und der Natur insgesamt sehr viel. Einerseits durch die Fachbildung, die die Bauern genießen, andererseits  durch die Verbesserung der Erträge und einen höheren Preis für Kaffee und Kakao, was vor Ort zu 35 Prozent mehr Einkommen führt und zu 36 Prozent mehr Reingewinn. Auch die ökologische Seite kann sich sehen lassen: Es werden 90 Prozent mehr Umweltschutzmaßnahmen umgesetzt und 63 Prozent mehr Recycling als bei Kontrollfarmen. Und soziale Indikatoren zeigen: Bei den Kindern von Bauern und Arbeitern auf zertifizierten Farmen findet deutlich mehr Schulbildung statt (plus 58 Prozent) und wird deutlich mehr Gebrauch von Schutzausrüstung bei der Arbeit  gemacht (plus 36 Prozent).

In den Bereichen, in denen die Siegel und Labels untereinander verglichen wurden (erzieltes Erntevolumen und verhandelter Preis, den die Bauern für ihren Kaffee oder Kakao fixieren konnten), schneidet die Rainforest Alliance und ihre Partner im Sustainable Agriculture Network (SAN) vor allem beim Preis sehr gut ab. Das heißt, der finanzielle Nutzen der Zertifizierung kommt bei den Bauern direkt an.

Noch etwas wird zumindest nach diesen ersten Auswertungen klar: Es lohnt sich immer, Produkte mit Siegel oder Label zu kaufen. Und: Das beste Siegel oder Label gibt es nicht, wie sogenannte Labelratings immer wieder suggerieren. Vielmehr wählen die Bauern selber die Zertifizierung, die ihnen in ihrer Region, in ihrem Ökosystem und in ihrem Markt am meisten behagt und bringt.

Hier geht es zum Beitrag der Sendung 10vor10 des öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehens. Die Ankündigung des Beitrags des Schweizer Fernsehens im Internet las sich so — Zitat:

„Fair Trade Labels auf dem Prüfstand — Eine unveröffentlichte Schweizer Studie zeigt erstmals, was Fair Trade den Kaffeeproduzenten in Entwicklungsländern wirklich bringt. «10vor10» liegen Resultate vor. Punkto Preis und Ertrag sind alle Labels ähnlich gut. Max Havelaar übertrifft die anderen Labels also nicht. Diese Studie bringt den Auftraggeber selbst in eine heikle Lage.“

3 thoughts on “Lieber mit als ohne Siegel

  1. Danke für den Beitrag! In der Tat wollen manche Anbieter von Biosiegeln uns Verbrauchern weismachen, dass nur das eigene für die einzig wahre Zertifizierung steht. Gerade bei uns in Deutschland neigen wir dazu, das Haar in der Suppe zu suchen. Oder einen Teilaspekt, und das oft zu unrecht, überzubewerten. Der gemeinsame Ansatz, Einkommen der Erzeuger zu verbessern und ökologische Standards anzuheben, geht leider manchmal in kleinkarierten Diskussionen unter. Gut, dass es dieses Blog gibt, das unaufgeregt und ohne Ellenbogen die Fakten auf den Tisch legt. Macht weiter so!

  2. Habe mir den Beitrag angeschaut und finde es toll, dass die Arbeit der Rainforest Alliance endlich die längst überfällige Anerkennung verdient. Seit Jahren schon achte ich auf das Siegel mit Grünen Frosch. Ich bin froh, dass die Rainforest Alliance nun auch in der ach so strengen Fairtrade-freundlichen Schweiz von behördlicher Stelle bescheinigt bekommt, dass die Arbeit im Feld den Bauern in vielerlei Hinsicht zugutekommt.

  3. Pingback: Kaffee für einen perfekten guten Morgen «

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