Biodiversität/Landwirtschaft/Rainforest Alliance/SAN

Schokolade zu Weihnachten – Interview mit Edward Millard

Edward Millard

Edward Millard

Zur Weihnachtszeit essen wir besonders gerne Schokolade und verschenken sie großzügig. Sich darüber Gedanken machen, unter welchen Bedingungen der Kakao für die Schokolade angebaut wurde, möchte kaum jemand. Dabei ist der Kauf eines Produktes mit Nachhaltigkeits-Siegel schon ein Beitrag im Kampf gegen missbräuchliche Kinderarbeit. Darüber und über die Arbeit auf den Kakaofarmen, seinen Job in London und natürlich Schokolade haben wir mit Edward Millard, dem Direktor für nachhaltige Landwirtschaft der Rainforest Alliance, gesprochen.

Hallo Edward, isst Du viel Schokolade in der Weihnachtszeit?

Ja, und ich habe kein schlechtes Gewissen dabei! Inzwischen tragen einige sehr leckere Schokoladenprodukte unser Nachhaltigkeits-Siegel. Glücklicherweise bekommen wir in unserem Büro die eine oder andere Kostprobe davon– es ist also ein professionelles Vergnügen.

Erzähl uns ein wenig über Deine Arbeit mit den Kakaofarmern.

Die Arbeit vor Ort, auf den Farmen, wird natürlich von den Kollegen in den kakaoanbauenden Ländern erledigt. Unser Schwerpunkt liegt auf der Arbeit in Westafrika, wo der Kakao, seit er im 19. Jahrhundert aus Südamerika kam, angebaut wird. Unser Job ist es, den Sustainable-Agriculture-Network-Standard, der die Basis für unser Zertifizierungsprogramm ist, voranzubringen. Der Standard beruht auf Kriterien für optimale Methoden für nachhaltige Landwirtschaft. Diese wiederum haben lokal auszulegende Richtlinien – speziell für den betreffenden Rohstoff und das jeweilige Land, in dem er angebaut wird. Der Standard legt z. B. Methoden fest, um Wasserquellen und die Bodenqualität zu schützen, den Abfall zu entsorgen oder die Farm effizienter zu führen. Die Farmer schätzen daran, dass sie viel lernen und ihr Auskommen und ihre natürliches Lebensumfeld damit verbessern können. Kakaobauern sind meist Kleinbauern. Sie brauchen mehr Sicherheit und mehr Einkommen, um ihre Familien anständig zu versorgen, ihre Kinder in die Schule zu schicken und ein gesundes Wohnumfeld zu schaffen. Um sie dabei zu unterstützen, den Standard anzuwenden, bilden wir einheimische Trainer aus und stellen ihnen Material zur Verfügung. Seit kurzem bieten wir ein Online-Training für den kompletten Standard an. Es ist so beliebt, dass es schon in verschiedenen Sprachen wie z. B. indonesisch übersetzt wurde.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?

Für die Rainforest Alliance in London zu arbeiten, macht mir großen Spaß. Wir sind eine kleine Gruppe engagierter Leute. Wir arbeiten alle zusammen in einem großen Büro. Es herrscht immer Trubel, aber wir versuchen eine Balance zwischen dem Ruhebedürfnis des einzelnen und der Notwendigkeit, sich auszutauschen und auf dem Laufenden zu halten, zu finden.

Einen großen Teil des Tages verbringe ich mit Headphone und kommuniziere mit Kollegen und Partnern weltweit. Wir arbeiten in 28 Ländern, um nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen. An jedem Tag spreche ich etwa mit einem halben Dutzend der Partner vor Ort, Institutionen, die das Zertifizierungsprogramm unterstützen, sowie einer zunehmenden Anzahl von Wissenschaftlern und NGOs, die an unserer Arbeit interessiert sind.

Wir bekommen natürlich auch viele E-Mails, und es dauert fast den halben Tag, um sie zu beantworten. Wir sind Teil eines globalen Netzwerks; wenn wir unseren Posteingang nicht bearbeiten, kann das für jemand an einem anderen Ort bedeuten, dass er seine Arbeit nicht machen kann oder wegen fehlender Informationen keine Entscheidung  treffen kann. Weil wir weltweit arbeiten, fängt unser Tag früh an und endet spät. Wenn wir morgens anfangen sind unsere Kollegen in Asien und Ostafrika schon mitten im Arbeitstag; am frühen Nachmittag sind unsere Mitarbeiter in Nord- und Lateinamerika online.

Wie geht die Umstellung auf nachhaltigen Anbau in der Kakaoindustrie voran?

Wir wollen zeigen, wie nachhaltiger Kakaoanbau zum Erhalt der globalen Artenvielfalt beiträgt. Kakao wird in den Tropen angebaut und in vielen der anbauenden Länder findet man zahlreiche einheimische Pflanzen und  Tiere, die es nur dort gibt. Diese Arten werden durch Eingriffe der Menschen in ihren Lebensraum gefährdet, besonders Entwaldung und der Ausbau von landwirtschaftlich genutzten Flächen gefährdet immer mehr Arten. Die Rainforest Alliance verfolgt drei Strategien zum Erhalt der Biodiversität: Erstens verlangt der Sustainable-Agriculture-Network-Standard verantwortungsbewusstes Umweltmanagement und schützt Wildtiere und Wälder. Zweitens helfen wir Farmern dabei, ihre Produktivität zu steigern, gleichzeitiger weniger Land für den Kakaoanbau zu nutzen und mehr für den Anbau ihres Eigenbedarfs sowie andere Kulturpflanzen. Und drittens nutzen wie die Macht des Marktes, um den Farmern  Anreiz und Belohnung für die Anwendung des Standards zu bieten. Aber: Wir stehen auch nach Jahren noch am Anfang! In ein paar Jahren werden wir sicher Interessantes über die Ergebnisse berichten können.

Warum sollten Schokoladenliebhaber auf das Siegel mit dem kleinen grünen Frosch achten?

Das Siegel verweist direkt auf die Anbaumethoden der Farm. Wir erlauben Firmen das Siegel zu verwenden, die sich verpflichten, Kakao von Rainforest Alliance CertifiedTM-Farmen zu kaufen und mit unseren Richtlinien zur Beschaffung und Rückverfolgbarkeit während des Herstellungsprozesses einverstanden sind. Also zeigt ein Siegel auf der Schokolade, dass die Farm, die den Kakao geliefert hat, den Sustainable- Agriculture-Network-Standard, inklusive Schutz von Wildtieren und Ökosystemen, Beachtung von Arbeiterrechten und Verbot von ausbeuterischer und gesundheits- sowie entwicklungsgefährdender Kinderarbeit, einhält. Steht auf einer Tafel Schokolade o. ä. unter dem Siegel der Zusatz „Kakao“, kann der Verbraucher darauf vertrauen, dass der gesamte für diese Schokolade benötigte Kakao von Rainforest-Alliance-Certified-Farmen kommt. Steht unter dem Siegel der Hinweis, dass mindestens 30% des verwendeten Kakaos von zertifizierten Farmen, sind es zunächst geringere Mengen: mindestens ein Drittel, oft jedoch mehr und in aller Regel damit verbunden, dass es in den kommenden Jahren Schritt für Schritt mehr Kakao von Rainforest-Alliance-Certified-Farmen sein muss.  

Was ist Deine Lieblingsschokolade?

Ich habe viel Zeit auf Kakaofarmen verbracht. Wenn ich ein Stück Schokolade esse, denke ich automatisch an die Bedingungen auf der Farm. Meine Lieblingsschokolade stammt von einem Hersteller, der die Nöte der Kakaofarmer kennt und sich verpflichtet hat, sie zu bekämpfen. Die Rainforest-Alliance-Zertifizierung ist ein sehr effektiver Weg. Also ist Schokolade mit diesem Siegel immer meine erste Wahl.

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