Landwirtschaft/Rainforest Alliance/SAN

„You say you want an evolution“

„Das Bessere ist der Feind der Guten.“ Dieses Zitat von Voltaire ist mehr als
200 Jahre alt und hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Wir sind stolz auf das, was bisher mit dem Rainforest Alliace CertifiedTM-Programm erreicht wurde – gemeinsam mit dem Sustainable Agriculture Network (SAN), einer internationalen Koalition von Naturschutzorganisationen. Das Zertifizierungsprogramm hat positiven Einfluss auf Millionen von Farmern und ihre Familien, schützt zahllose Wildtier-Arten und verhindert die Abholzung von Tausenden Hektar tropischer Wälder durch Macheten, Großmaschinerie oder Feuer. Trotz der Erfolge des Programms ist klar, dass der SAN-Standard, auf dem es basiert, nicht perfekt ist.

SalvaNATURA, ein SAN-Mitglied, beim Audit einer Kaffeefarm, die eine Rainforest-Alliance-Zertifizierung anstrebt

Seit das Programm
1992 eingeführt wurde, haben sich Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung sowie kulturelle Normen verändert – wie nicht anders erwartet. Der Standard war nie als starre Direktive gedacht, sondern implizierte von Anfang an die Möglichkeit und die Verpflichtung, sich weiterzuentwickeln.

Schon zu Beginn gründete das SAN unterschiedliche Komitees, um den Standard samt Anwendung und Überwachung regelmäßig zu überprüfen und notwendige Veränderungen durchzuführen. Zusammengesetzt aus einem Querschnitt von SAN-Mitarbeitern, Beratern und international anerkannten Experten, treffen sich die Komitees zyklisch. Dabei werden kleinste Details besprochen und festgelegt, wie man am besten ungelöste Aufgaben und neue Anforderungen bewältigt.

Arbeiterin auf einer Rainforest-Alliance-Certified(TM)-Teefarm in Indien

Nehmen wir die Mindestlöhne als Beispiel: Als fünfte der zehn Leitlinien des SAN (Fair Treatment and Good Working Conditions for Workers) verlangt der Standard, dass Farmen Löhne und Renten gleich oder über dem staatlichen Mindestlohn zahlen müssen und Arbeitswoche und Arbeitsstunden die gesetzlich zulässige oder die von der ILO festgelegte Grenze nicht überschreiten dürfen.

Auf den ersten Blick scheint das eine klare Forderung zu sein, dabei ist das Thema sehr komplex. Wie wendet man dieses Kriterium bei Arbeit an, die nach Stückzahl und nicht nach Stundenlohn vergütet wird? Auf Farmen ist die Arbeit saisonal; wie setzt man Löhne fest, wenn es extreme Schwankungen bei den Einnahmen gibt? Was ist mit Urlaubsgeld und Überstunden?

Und die grundlegendste Frage: Wie genau definiert man den Mindestlohn? Er variiert von Land zu Land. „In Afrika zum Beispiel“, so die deutsche Rainforest-Alliance-Mitarbeiterin Kathrin Resak haben viele Länder gar keine gesetzlichen Mindestlöhne oder sie sind völlig veraltet oder extrem niedrig.“ Dieser Meinung ist auch Winnie Mwaniki, Rainforest Alliance Regional Projekt Manager für Ostafrika: „An Orten wie Malawi, Ruanda und Uganda können die Löhne unter einem Dollar am Tag liegen.“ Das ist niedriger als die 2005 von der Weltbank festgelegte Armutsgrenze von $ 1,25.

Gibt es regionenspezifische Probleme, versucht das SAN die Richtlinien unter Berücksichtigung lokalen Gegebenheiten auszulegen, ohne den allgemeinen SAN-Standard anzutasten. Wenn es in einer Region beispielsweise keinen Mindestlohn gibt, muss er anhand der lokalen Richtlinien in Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern festlegt werden.

Lässt sich das Problem so nicht lösen, schlägt der SAN Veränderungen im gesamten Standard vor. Doch bevor das geschieht, muss diskutiert, untersucht, in der Praxis erprobt und öffentlich beraten werden.

Bananen von einer Rainforest-Alliance-Certified(TM)-Farm

„Wenn auch keine Organisation, die Standards festlegt und sie überprüft, für sich Unfehlbarkeit beanspruchen kann, ist das SAN doch zurecht stolz auf seine bisherige Bilanz. Es hat den Standard über mehr als 20 Jahre bedeutend und kontinuierlich verbessert“, sagt Dorianne Beyer, Mitglied des SAN International Standard Committee und mit 30 Jahren Erfahrung eine renommierte Anwältin für die Rechte von Arbeitern.

Die Überarbeitung und Entwicklung des SAN-Standards ist weniger ein Zeichen für vorstellbare Fehler als für die Stärke des Standards. Ein effektives Zertifizierungsprogramm muss sich den sich verändernden Ansprüchen und Bedingungen der Umwelt anpassen, um praktikabel zu bleiben und gewünschte Entwicklungen konsequent fördern zu können.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s