Landwirtschaft/Rainforest Alliance

Die 10.000 Jahre alten Wurzeln des Wahgi Tals

Der vierte und letzte Teil der Serie über indigene Gemeinschaften widmet sich den indigenen Kaffeefarmern im Wahgi Tal in Papua Neuguinea. Rainforest Alliance Trainer und Auditor Noah Jackson erklärt, was indigen bedeutet, und warum das Wissen und die Erfahrungen der indigenen Gemeinschaften weiterhin sehr wichtig sind.
 

Indigenes Kind in Papua Neuguinea. © Noah Jackson

Indigen heißt nicht unzivilisiert. Auch wenn einige der Dörfer, die ich in Papua Neuguinea besucht habe, nicht an das Stromnetz angeschlossen waren, können die Farmer trotzdem die Kaffee-Preise mit dem Handy abrufen. Andere haben kleine Solaranlagen auf ihrem Dach installiert, um nachts ihre Häuser zu beleuchten. Indigen heißt ursprünglich. Und weil manche der Gemeinschaften, die ich besuche, sehr isoliert leben, haben sie ein starkes Gespür für ihre Wurzeln, Kultur und Umwelt. Trotzdem gibt es einige Veränderungen.

Bei meinen Aufenthalten in den kleinen Dorfgemeinschaften tausche ich mich mit Farmern aus, wir sprechen über den Klimawandel, die Bodenqualität und andere Themen, die Einfluss auf den Kaffeeanbau und das Land haben. Während einige der Farmer Migranten sind, und andere erst in der ersten oder zweiten Generation Kaffee anbauen, verfügen sie trotzdem über ein landwirtschaftliches Wissen indigenen Ursprungs. Es gibt Hinweise, dass dort eines der weltweit ersten Zentren für Ackerbau war. Taro, eine in Asien verbreitete Nutzpflanze, wurde zuerst hier, in den sumpfigen Böden des Whagi Tals, vor über 10.000 Jahren angebaut. Dreitausend Jahre später wurden Bananen kultiviert.

Taro wir seit 10.000 Jahren im Wahgi Tal angebaut. © Noah Jackson

Bei meinen Besuchen von bewaldeten Farmen machten mich die Kinder der Farmer auf eine Entwässerungsanlage aufmerksam, die den Anbau von Mais, Zuckerrohr und Jamwurzel ermöglichen. Kaffee wird noch nicht lange hier angebaut, meist erst in der zweiten Generation. Trotzdem gibt es eine lange Tradition, von der gezehrt wird. Waldfrüchte werden gesammelt und in kleinen Beeten herangezogen – auf die gleiche Weise werden auch die Kaffeepflanzen herangezogen. Kinder, die in den Kaffeegärten spielen und ihren Eltern in erlaubtem Umfang mithelfen, bekommen so ihr Wissen vermittelt. Unter den indigenen Farmern gibt es viel direkte Wissensvermittlung. Die Farmen sind wie Klassenräume. Das mag ich am meiner Arbeit: Ich kann Farmern Fragen stellen, die auf 10.000 Jahre altes Wissen zurückgreifen können.

Kinder lernen bei ihren Eltern, wie man das Land bewirtschaftet. © Noah Jackson

 

Das Tal ist nicht frei von Problemen. Manche Familien  haben keine Elektrizität, keine Wasserleitung oder keinen Wassertank. Einige der Straßen sind in sehr schlechtem Zustand. Die Straße entlang der Farmen, die zum Markt führt, wo Kaffee, Pandanus, Betelnuss und Taro gehandelt werden, ist stellenweise nichts weiter als ein Waldpfad. Die Ernte muss manchmal stundenlang zu Fuß transportiert werden. Natürlich entsteht so das Verlangen, seinen Lebensunterhalt auf andere Weise zu verdienen. Die Gas- und Ölindustrie sind die größten Arbeitgeber in Papua Neuguinea – das verändert die indigenen Gemeinschaften. Man kann unmöglich die wirtschaftlichen Veränderungen ignorieren. Der Kapitalfluss hat die Preise nach oben getrieben. Ich habe viele Familien getroffen, die sich räumlich trennen mussten, weil einige von ihnen in der Gas- und Ölindustrie arbeiten. Auch die Landschaft verändert sich teils drastisch.

Ein Einheimischer läuft mit seinen zwei Kindern durch die Wälder des Wahgi Tal. © Noah Jackson

Wenn ich über indigene Menschen und meine Arbeit in den mit Gemeinschaften in ganz Südostasien denke, fällt mir zuerst ihr großer Erfahrungsschatz ein. Dieses Wissen wird geteilt, ausgetauscht, ständig überprüft und angepasst. Es wird die Farmer bewahren, denn sie kennen das Geheimnis guten Samen zu sähen und Wildpflanzen zu erhalten. Ihr Wissen verbirgt sich in Geschichten, Bräuchen und Kultur. Wir alle profitieren davon. Zusätzlich zu ihrer langen Geschichte und Tradition, brauchen wir ihre Erfahrungen. Hier wie an vielen anderen Orten ermöglicht es ihnen Essen anzubauen und in einer sich verändernden Welt zu überleben.

Jahrtausende alte indigene Kulturen zeigen uns immer wieder, wie überlegen sie uns technisierten Gesellschaften sind.

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