Rainforest Alliance/Tourismus

Indigene Tourismusangebote in Ecuador: „Wir sind doch keine Bettler“

Im dritten Teil unsere Serie anlässlich des Internationalen Tags der indigenen Bevölkerung berichtet Yessenia Soto, Rainforest Alliance Communications Associate in Ecuador, über die Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften entlang eines der ältesten Pfade des Landes.

Manche behaupten, dass die ersten Touristen Südamerikas Reisende waren, die vor etwa 500 Jahren entlang des Inka-Pfads wanderten. Diese präkolumbianische Landstraße wurde im 15. Jahrhundert gebaut, um die entfernt liegenden Gebiete des Inkareichs miteinander zu verbinden. Der Inka-Pfad reichte einst vom heutigen Ecuador bis Patagonien in Argentinien. Entlang der gepflasterten Route konnte man in den so genannten Tambos Halt machen und bekam dort Essen und Unterkunft.

Beeindrukende Landschaft am Chimborazo.

Auch wenn der Inka-Pfad kein wichtiger Transportweg mehr ist, lockt er dank des natürlichen und kulturellen Reichtums noch immer jedes Jahr Tausende Touristen an. Eine Gruppe von 12 indigenen Gemeinschaften aus der in den Anden gelegenen Provinz Chimborazo möchte von der Schönheit der Region profitieren und sie touristisch besser erschließen.

„Vor zehn Jahren wären Reiseveranstalter mit den Touristen hierher gekommen und hätten uns zur Schau gestellt“, erklärt Anibal Tenemasa, Chimbarazo Community and Tourism Development Corporation (Corporación de Desarrollo Comunitario y Turismo de Chimborazo, CORDTUCH) President. „Sie wollten unsere Häuser sehen, Fotos machen und gaben uns ein paar Münzen – als ob wir Bettler wären – während sie für ihre Tour zahlten.“

Eine Lodge in Chimborazo.

Nachdem sie genug von der Ausbeutung ihrer Kultur und Umwelt hatten, gründeten die lokalen Dorfgemeinschaften 1998 eine Vorläuferorganisation von CORDTUCH. Sie boten nun selbst Leistungen für Touristen an. Zunächst zwar ohne Businessplan, war es dennoch von Anfang an ein Ziel der Gruppe, sich gemeinsam sozial, kulturell, ökologisch und ökonomisch zu engagieren. Dieses Bestreben machte sie zu einem Vorbild für andere indigene Gemeinschaften und führte zum Erfolg. Nach jahrelanger, harter Arbeit erhielten die Gemeinschaften auch offizielle Anerkennung von der ecuadorianischen Regierung. Heute gehört alles in dem Gebiet – inklusive Restaurants, Unterkünfte – indigenen Familien und wird von ihnen betrieben.

„Wir dachten nie an Hotels oder Luxusreisen“, erklärt Miguel Ángel Guamán, Mitglied der CORDTUCH Verwaltung. „Unser Angebot ist und bleibt es, Touristen eine authentische Erfahrung in Mitten von fast unberührter Natur zu ermöglichen.“

Reisegruppe beim Ausritt.

Besucher machen eine unvergessliche Reise durch die alt angestammten Länder der indigenen Bevölkerung an den tiefer gelegenen Hängen des Chimborazo-Vulkans. Der schneebedeckte Gipfel erstreckt sich 6.310 Meter über dem Meeresspiegel und ist Ecuadors höchster Berg. In die atemberaubende Landschaft fügen sich zahlreiche Dörfer mit ihren farbenfroh, traditionell gekleideten Bewohnern ein. Reisende können Aktivitäten wie Reiten und Wandern mit dem Erleben von traditionellem Essen und Handwerk kombinieren. Dabei können sie sicher sein, dass ihre Unterstützung den Gemeinschaften vor Ort direkt zugutekommt.

Alpakas

Nach dem Aufbau der Tourismusbetriebe ließen sich die Gemeinden durch die Rainforest Alliance zu Themen wie Abfall- und Abwasserentsorgung, sichere Trinkwasserversorgung und angemessene Heizsysteme beraten. Sie nutzten Rainforest-Alliance-Workshops zu Nachhaltigkeitsprinzipien und lernten dort Verfahren für nachhaltigeres Umwelt- und Betriebsmanagement. In wenigen Monaten erfuhren die Mitglieder der Dorfgemeinschaften, wie man den Umgang mit Lebensmitteln verbessert, Biofilter baut, um Wasser aufzubereiten, Müll trennt und Erste Hilfe leistet. Sie entwickelten auch Pläne zum Umgang mit Brauchwasser und Hausmüll, fanden umweltfreundliche alternative Energien und suchten nach effizienten Methoden, um die Unterkünfte und Restaurants zu heizen. Zusätzlich zeigten eine Studie zur Infrastruktur und eine Analyse der Raumgestaltung Möglichkeiten auf, wie Investitionen in die Infrastruktur Kultur bewahren und die Umwelt schützen können.

Diese Entwicklungen bleiben bei Touristen und Reiseunternehmen nicht unbeachtet. Um das Interesse der Reisenden für Chimborazo zu wecken, arbeitet die Rainforest Alliance mit einem Werbefilm, gestaltet die CORDTUCH-Homepage neu und nimmt das Angebot in die Rainforest Alliance Online-Datenbank für umweltbewusste Reisende, SustainableTrip.org, auf.

Sowohl Tenemasa als auch Guamán sehen die Zusammenarbeit von CORDTUCH mit der Rainforest Alliance als Erfolg an und sind zuversichtlich, dass Touristen gezielt nach nachhaltigen Reiseangeboten suchen. Außerdem sind die Dorfgemeinschaften froh, dass sie nun über größere finanzielle Ressourcen verfügen.

In Zukunft planen die Gemeinschaften den Verkauf von Kunsthandwerk sowie von Getreideprodukten und Konfitüre aus den Anden an Touristen. Diese Gewerbezweige haben großes Wachstumspotential, da Produktionsmittel und Herstellungsweise schon lange erprobt sind. CORDTUCH hat nun auch eine Art „Marketingabteilung“ geschaffen, die am Zugang zu wichtigen Märkten arbeitet, die Gemeinden unterstützt, gemeinsame Standards zu entwickeln und zu halten und sich zu organisieren.

Das Weben eines traditionell farbenfrohen Motivs.

Das Weben eines traditionell farbenfrohen Motivs.

Bis heute profitieren 1.600 Menschen von CORDTUCH. „Wir wollen noch mehr Gemeinden erreichen und einbinden, damit noch mehr Familien Nutzen aus der Zusammenarbeit ziehen können“, sagt Tenemasa. Es gibt viele Dorfgemeinschaften entlang des Inka-Pfades, die gerne den Tourismus wiederbeleben möchten, der vor Jahrhunderten begann. Heute soll er sich in einer Weise entwickeln, die es den indigenen Gemeinschaften erlaubt, für zukünftige Generationen lukrativ und nachhaltig zu wirtschaften.

Wer mehr über Chimborazo erfahren möchte, kann sich hier einen kurzen Film auf Spanisch (mit englischen Untertiteln) ansehen.

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