Biodiversität/Forstwirtschaft/Rainforest Alliance

Indigene Gemeinschaften in Nicaragua und die Folgen des Hurrikan Felix

Aus Anlass des von der UN ausgerufenen Internationalen Tags der indigenen Völker am 9. August schreibt Lara Koritzke – vormalig Associate Director für Entwicklung bei der Rainforest Alliance und aktuell Director für Entwicklung und Kommunikation bei ISEAL Alliance – über die Zusammenarbeit der Rainforest Alliance mit indigenen Gemeinschaften in Nicaragua. 2007 wurden dort Häuser, Ernte und natürliche Waldgebiete von einem Hurrikan zerstört. Mit Ausdauer, harter Arbeit und Kooperation beheben die Gemeinschaften seit damals allmählich die Schäden.

Awas Tingni Kinder beim Spielen auf einem Holzstapel.

Am 4. September 2007 traf der Hurrikan Felix das Autonome Gebiet Atlantik Nord (Región Autónoma del Atlántico Norte, RAAN) und hinterließ große ökologische und sozioökonomische Schäden. Mehr als 25.000 arme Familien, die größtenteils aus den indigenen Bevölkerungsgruppen der Miskito und Mayangna stammen, waren betroffen. Die Schäden an Häusern, Landwirtschaft und natürlichen Waldgebieten beliefen sich nach Schätzungen auf mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar und über 1,5 Millionen Hektar tropischer Wälder mit besonderer Artenvielfalt wurden beschädigt.

Seit 2005 hilft die Rainforest Alliance den lokalen Gemeinden, ihre Wälder nachhaltig zu bewirtschaften. Nach dem Hurrikan 2007 unterstützte die unabhängige NGO auch dabei, lokale Unternehmen zu gründen und den ökonomischen Wiederaufbau voranzutreiben. U. a.  wurden sieben landwirtschaftliche Kooperativen mit intelligenten Managementstrategien aus der Taufe gehoben und mit holzverarbeitenden Firmen vor Ort vernetzt.Vier Jahre später haben 30 Gemeinschaften mit über 2.000 Menschen davon profitiert.

Verwerten von Holz und Pflege von natürlichem Neubewuchs des Waldes

Die Verarbeitung von Holz aus Sturmschäden und die Unterstützung der natürlichen Regeneration des Waldes waren grundlegende Aspekte bei der Arbeit in der vom Hurrikan betroffenen Region. Bei der Verwertung wird gut verkäufliches Holz aus Bruch gewonnen, das den indigenen Familien umgehend ein Einkommen sichert. Darüber hinaus wird so der weitere Verlust von Wäldern durch Unterholzfeuer, Schädlinge oder Umwidmung der Flächen verhindert. Diese Gefahr droht häufig in Katastrophengebieten, bis die Gemeinden vor Ort eine dauerhafte Einkommensquelle gefunden und so einen Ansporn haben, Wälder zu erhalten, statt sich dem wachsenden Druck zu beugen und sie für Nutztierhaltung und Landwirtschaft abzuholzen.

Die Awas Tingni Gemeinde: Naturschutz und Abbau von Armut

Vorgesägtes Holz sichert das Einkommen der indigenen Bevölkerung.

Die Rainforest Alliance arbeitet eng mit den der indigenen Gemeinschaft der Awas Tingni zusammen, um die Lebensgrundlage der fast 300 geschädigten Familien mit 1.800 Menschen zu sichern. Durch die Nutzung des Holzes geschädigter Bäume wird auch die Treibhausgasemission reduziert, in dem verhindert wird, dass Holz verrottet oder in heißen Sommern Feuer fängt. Die Rainforest Alliance hat in der Gemeinde ein Training zur wertschöpfenden Weiterverarbeitung veranstaltet und geholfen, eine kleine Tischlereiausstattung sowie eine transportable Sägemühle zu beschaffen. Nun haben die Gemeindemitglieder in ihren eigenen Dörfern Arbeit und produzieren vorgesägte Bretter aus Mahagoni oder anderen gefragten Harthölzern, die höhere Preise einbringen als unbearbeitetes Holz.

Anbindung an die Märkte mit Käufern, die Wert auf Nachhaltigkeit legen

Mit Hilfe der Umweltschutzorganisation haben sich die Awas Tingni mit Käufern und Händlern von Holzprodukten, wie Gibson Musical Instruments aus Nashville und Maderas Preciosas Indígenas e Industiales de Nicaragua S.A. (MAPIINICSA), zusammengeschlossen. Beide Unternehmen haben sich verpflichtet, nachhaltig angebautes Holz für ihre Produkte zu beziehen.

Die Rainforest Alliance hat die Awas Tingni auch dabei unterstützt, einen neuen Betrieb für Holzanbau zu gründen: die Yamaba Forstwirtschaftskooperative. Er ist im Besitz der Gemeinde und wird von gewählten Mitgliedern geleitet.

Arbeitsbeschaffung und andere Vorteile für Frauen und Kinder

Die Yamaba Kooperative und ihre Holzverwertung aus Sturmschäden schafft neue Jobs in der Gemeinde. Die Kooperative hat 2010 „nur“ 60 Menschen beschäftigt, 2011 sind es fast 200, inklusive 36 weiblicher Arbeiter. 2010 brachte der Verkauf von Holz 98.000 US-Dollar ein, für 2011 wird ein Gewinn von über 400.000 US-Dollar prognostiziert. Zusätzlich zur Hilfe beim Entwickeln der Kooperative und dem Wachstum der Einkommen arbeitet die Rainforest Alliance mit der Gruppe daran, eine effektive und verantwortungsvolle Verteilung der erwirtschafteten Mittel zu gewährleisten.

Die Frauen der Awas Tingni haben sich gut organisiert.

Im Moment wägen die Führung der Kooperative und sein neu gegründeter Frauenverband die Möglichkeiten ab, die sich durch die steigenden Einnahmen ergeben: Investieren in die Arbeiten mit Holz, um Nachhaltigkeit zu fördern; das angestammte Land umzäunen, um es vor illegalem Holzeinschlag und Wilderei zu schützen; zusätzliche Unterstützung für die Dorfschulen und Lehrer; Material beschaffen, damit die Frauen Kunsthandwerk produzieren und auf den lokalen Märkten verkaufen können; die Anschaffung eines Gemeinschaftsfahrzeugs, das Kranke oder Schwangere nach Puerto Cabezas bringen kann. Die nächste Bushalltestelle ist einen dreistündigen Fußmarsch entfernt und die nächste Stadt, Puerto Cabezas, ist nur per Bus zu erreichen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s