Rainforest Alliance

Menschenrechte im Kakaoanbau – Teil 1

Bevor wir uns in die Weihnachtsferien verabschieden, gibt es für alle, die über die Feiertage Zeit haben, noch einmal „schwere Kost“ – so sehen es vielleicht manche – oder „Besinnliches“ – so sehen es andere.

Kakaoernte

Eine Studie zum Thema „Menschenrechte im Anbau von Kakao – Eine Bestandsaufnahme der Initiativen der Kakao- und Schokoladen­industrie“ des Instituts für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen, verfasst von Friedel Hütz-Adams, ist kürzlich erschienen. Für die Studie wurden Kakao verarbeitende und Schokolade produzierende Unternehmen sowie Organisationen wie Fairtrade, Rainforest Alliance und Utz Certified befragt.

5,5 Millionen Kleinbauern leben weltweit vom Kakaoanbau. Ihre Einkommen sind aufgrund von Preisschwankungen unsicher, ihre Arbeitsbedingungen sind schlecht und missbräuchliche Kinderarbeit ist auf Kakaoplantagen durchaus verbreitet. 2001 haben Schokoladen- und Kakaoindustrie ein freiwilliges Abkommen (Harkin-Engel-Protokoll) getroffen, das die gravierendsten Formen der Kinderarbeit unterbinden sollte. Bis heute konnte die Vereinbarung nicht umfänglich umgesetzt werden. Einige Unternehmen haben inzwischen eigene Kontrollsysteme entwickelt, um die Missstände zu bekämpfen, oder sie arbeiten mit Zertifizierern und Nachhaltigkeitsorganisationen zusammen. Diese Initiativen decken aber nur einen kleinen Teil des Marktes ab. Freiwillige Maßnahmen erreichen nach Betrachtung von Friedel Hütz-Adams nur langsam Fortschritte. Sie beschränken sich oft auf die Bekämpfung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit in Ghana und der Elfenbeinküste.

Die Unternehmen begründen den geringen Anteil von zertifiziertem Kakao am Gesamtumsatz unterschiedlich: Es bestehe keine Nachfrage von Seiten der Kunden; das Angebot an zertifizierter Ware sei zu gering; es sei keine permanent hohe Kakaoqualität gewährleistet. Trotzdem gaben einige Unternehmen bei Befragungen an, dass sie aus Sorge über verlässlichen Nachschub an hochwertigem Kakao verstärkt Kakao von zertifizierten Herkünften einkaufen. Will man die Versorgung der Industrie mit Kakao in guter Qualität langfristig sicherstellen, müssen die Lebensbedingungen der Kleinbauern verbessert werden. Doch wie kann das wirkungsvoll geschehen?

Nach Ansicht von Carsten Schmitz-Hoffmann, der bei der GTZ das ‚Programm Sozial- und Umweltstandards‘ leitet, ist die Rückverfolgbarkeit der Herkunft des Kakaos daher die Voraussetzung für einen umfassenden Ansatz zur Verbesserung der Situation der Bauern.“ Schmitz-Hoffmann stellt klar: Höhere Preise allein würden die Situation der Bauern nicht verbessern. Notwendig sei ein umfassenderer Ansatz, der neben den Verkaufspreisen des Kakaos auch die Kosten der Herstellung berücksichtigt sowie den Zugang der Bauern zu Dienstleistungen wie Beratung oder die Bereitstellung neuer Baumsorten gewährleistet. Diese Schlussfolgerung gründet sich auf Erfahrungen, die die GTZ in den letzten Jahren in mehreren Projekten im Kakaobereich sammeln konnte. Ähnliche Einschätzungen äußert Edward Millard von der Rainforest Alliance.

Die Entwicklung für Ware von zertifizierten Farmen werde von den Zertifizierern unterschiedlich prognostiziert: Utz Certified schätze, dass 2015 rund 30 Prozent und 2020 rund 50 Prozent der Weltkakaoernte zertifiziert sein würden. Fairtrade glaube, in den nächsten 10 bis 15 Jahren könne in der Elfenbeinküste und Ghana die komplette Kakaoproduktion zertifiziert werden. Die Schätzungen der Rainforest Alliance hingegen gingen von lediglich 4 Prozent der weltweiten Kakaoernte im Jahr 2015 und 8 Prozent im Jahr 2020 aus. Auch wenn 2020 die positivsten Vorhersagen einträfen, wäre der Großteil der Kakaoernte nicht zertifiziert.

Die Prognosen von Utz Certified und Fairtrade scheinen ehrgeizig. Momentan erreiche nur rund die Hälfte des zertifizierten Kakaos den Markt, da Teile der Ernte von sehr schlechter Qualität sind und nicht verarbeitet werden könnten, so Hütz-Adams. Außerdem sei fraglich, ob die vorausgesagten Wachstumsraten der zertifizierten Flächen realistisch sind. Ob für die zertifizierten Mengen überhaupt eine Nachfrage bestehen würde, wisse man auch nicht. 2008 wurden 77.000 Tonnen Kakao von Fairtrade-zertifizierten Bauern produziert, aber lediglich 14.000 Tonnen mit dem Fairtrade-Siegel im Handel verkauft – so die Feststellung des Studienautors. Die restliche Menge sei mangels Nachfrage auf den regulären Markt gekommen – ungesiegelt.

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2011 kann man hier im zweiten Teil nachlesen, wie sich die Rainforest Alliance für Menschenrechte auf den Kakaoplantagen einsetzt. Wir wünschen allen Lesern des deutschsprachigen FrogBlog ein frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr!

One thought on “Menschenrechte im Kakaoanbau – Teil 1

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