Rainforest Alliance

Wie die Rainforest Alliance bei der Bekämpfung von Kinderarbeit hilft

Kind mit Machete auf einem Kakaobaum

Kind mit Machete auf einem Kakaobaum

Es ist inakzeptabel, Kinder auf Farmen zu beschäftigen, wenn sie eigentlich in der Schule sein sollten oder Jugendlichen Arbeiten aufzutragen, die gefährlich sind und ihre im Wachstum befindlichen Körper schädigen können. Auf Kakaofarmen wird Kinderarbeit in verschiedener Form beobachtet: Kinder tragen schwere Lasten. Sie transportieren die geernteten Kakao­früchte, sprühen Pflanzen­schutz­mittel ohne Schutzkleidung oder klettern mit Macheten auf Bäume, um hoch hängende Kakao­früchte zu ernten. Bereits 2001 wurde auf Missstände in der Kakaowirtschaft hingewiesen und damit sowohl auf Regierungs- als auch auf Industrieebene zu ersten Gegen­maß­nahmen aufgerufen. Die führenden Schokoladenhersteller unterzeichneten ein Abkommen mit der US-Regierung, in dem sie sich dazu verpflichten, Kinder- und Zwangsarbeit auf allen Seiten der Erzeugerkette zu bekämpfen. Zusätzlich wurde die Internationale Kakaoinitiative (ICI) gegründet. Als unabhängige Organisation initiiert sie Ausbildungsprogramme in kakao­produzierenden  Regionen in Côte d’Ivoire und Ghana, den zwei weltgrößten Kakaoproduzenten, und arbeitet dafür mit Gewerkschaften und NGOs zusammen.

Das Rainforest Alliance CertifiedTM-Programm bekämpft Kinderarbeit über drei verschiedene Ansätze:

1. Ausbildung: Die Hauptursache für die Ausbeutung von Kindern ist Armut: Statt bezahlter Arbeitskräfte arbeiten Kinder. Oder: Eltern können es sich nicht leisten, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Für Armut gibt es keine schnelle Lösung, aber Bildung ist der Schlüssel zu raschen Verbesserungen. Farmer, die an den Trainingsprogrammen für die Zertifizierung Rainforest-Alliance CertifiedTM teilnehmen, müssen sich mit dem Thema Kinderarbeit auseinandersetzen, beispielsweise über das Recht der Kinder auf einen Schulbesuch. Viele Farmer wollen das Wohl ihrer Kinder im Grunde nicht gefährden. Die Ausbildungs­maßnahme der Nachhaltigkeitsprogramme der Rainforest Alliance und ihrer Partner bestärkt sie in ihrer Einstellung und zeigt Möglichkeiten auf, Kinderarbeit zu vermeiden.

Kind trägt Kakaofrüchte

Kind trägt Kakaofrüchte

2. Standard: Für die Rainforest Alliance CertifiedTM-Zertifizierung müssen Farmer den Sustainable Agriculture Standard erfüllen. Dieser reguliert detailliert die Beschäftigung von Minderjährigen und verbietet die Voll- oder auch Teilzeitbeschäftigung von Kindern unter 15 Jahren. Kinder zwischen 15 und 17 Jahren müssen eine schriftliche Erlaubnis ihrer Eltern oder ihres Vormunds vorweisen und dürfen nicht mehr als acht Stunden pro Tag oder mehr als 42 Stunden pro Woche arbeiten. Ihr Arbeitspensum
darf ihre Ausbildungsmöglichkeiten nicht einschränken und sie dürfen
keine Tätigkeiten ausüben, die ihre Gesundheit beeinträchtigen können, wie etwa Pflanzenschutzmittel ausbringen oder körperlich stark beanspruchende Arbeiten verrichten. Der Sustainable Agriculture Standard erlaubt es Minderjährigen zwischen 12 und 14 Jahren, die zur Familie gehören, Teilzeit auf den Farmen zu arbeiten z. B. während der Ernte, solange ihre Arbeitszeit inklusive Schule und Wegstrecke zehn Stunden an Schultagen und acht Stunden an schulfreien Tagen nicht überschreitet.

3. Kontrolle: Um das Rainforest Alliance CertifiedTM-Siegel zu tragen, wird jede Farm einmal im Jahr von einem internen und einem externen Auditor besucht. Außerdem kann es jederzeit zu unangekündigten Kontrollen kommen. Die Auditoren werden vor Ort gesucht, eingestellt und zusätzlich ausgebildet. So wird vermieden, dass Auditoren aus der „entwickelten Welt“ eingeflogen werden, denen es an Verständnis für Land und Kultur mangelt. Das Kontrollsystem kann die Ausbeutung von Kindern nicht an jedem einzelnen Tag im Jahr verhindern, aber zusammen mit dem Zertifizierungsprogramm ist es die bestmögliche Absicherung, um Missstände immer wieder aufdecken und abstellen zu können.* Auch die Regierungen der betroffenen Länder haben Überwachungsmechanismen eingeführt. Die Auditoren arbeiten mit den lokalen Behörden zusammen und unterstützen sie durch ihre zusätzlichen Kontrollen.

Kinderarbeit ist ein komplexes Problem. Dass die meisten afrikanischen Kinder aus dörflichen Regionen ihren Familien bei der Feldarbeit oder Viehzucht helfen, ist üblich. Kinder von Landwirten in Europa kennen dies auch. Solange kein Unterricht versäumt wird oder schwere körperliche Arbeiten verrichtet werden, gibt es auch keine Einwände dagegen. Kinderarbeit von traditioneller Gepflogenheit zu unter­scheiden, erfordert die Kenntnis der lokalen Kultur und Gewohnheiten. Deshalb verfolgt die Rainforest Alliance die Politik, heimische Auditoren, z. B. in Côte d’Ivoire und in Ghana, auszubilden und zu akkreditieren. Sie kommen oft aus der Region, in der sie dann arbeiten, sprechen die Sprache der Menschen vor Ort, auch die indigene, selbst Dialekte, sind vertraut mit Kultur, Traditionen und Riten, kennen die Gesellschaftsordnung und wissen mit ihr umzugehen – z. B. den respektvollen Umgang und das Einbeziehen des Ältestenrats, wenn es einen solchen gibt.

*Im UN Chronicle von 2010 werden die Programme der Rainforest Alliance und eines weiteren Systems als die derzeit beste Garantie genannt,  Menschenhandel und insbesondere Kinderhandel beim Kakaoanbau zu verhindern.

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