Rainforest Alliance

Edward Millard über die Arbeit der Rainforest Alliance in Westafrika (Teil 2)

Der Direktor für nachhaltige Landschaften der Rainforest Alliance erklärt im zweiten Teil, wie wir Kinderarbeit in Westafrika bekämpfen.

Das Rainforest Alliance Zertifizierungsprogamm bekämpft Kinderarbeit auf drei Ebenen:

  1. Durch die Ausbildungsprogramme entsteht bei den Farmern und in den Dorfgemeinschaften ein Bewusstsein für das Kindeswohl. Ich habe an Trainings teilgenommen, in denen Farmer aufstanden und erklärten, sie hätten nun verstanden, wie wichtig es sei, Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen und sie nicht gesundheitsschädlicher oder gar gefährlicher Arbeit – wie dem Tragen schwerer Lasten oder dem Gebrauch von Macheten – auszusetzen. Von Amerika über Europa und Afrika bis Aus­tra­lien sind Bauern dafür bekannt, ungern zu ändern, was sie und ihre Vor­fahren „schon immer so“ gemacht haben. Deshalb zeigt mir eine solche Aussage, dass unser Ansatz funktionieren kann. Bildung, Aus- und Weiter­bildung sind der Schlüssel für viele tragfähige Lösungen.

    Die Farmer haben sich umfangreiches Wissen anzueignen.

  2. Die Rainforest Alliance kooperiert mit der Internationalen Kakaoinitiative und dem Sustainable Tree Crop Program (STCP). Diese Organisationen unter­stützen ebenfalls die Bemühungen der lokalen Regierungen vor Ort, kakaoanbauende Gemeinden über Kinder- und Jugendschutz aufzuklären und die Beschäftigungspraxis dort zu ändern und langfristig zu überwachen.
  3. Das Zertifizierungssystem Rainforest Alliance Certified™ erfordert regel­mäßige Besuche von internationalen Prüfern und eine jährliche betriebs­fremde, unabhängige Revision. Für die Farmer bieten sich durch die Zertifizierung neue Absatzmöglichkeiten. Das hat u.a. auch Carsten Schmitz-Hoffmann, der Leiter für Öko- und Sozialstandards, der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) öffentlich bestätigt.

Wir engagieren uns konsequent dafür, stets sicherzustellen, dass Kakao von Rainforest Alliance zertifizierten Farmen innerhalb der Lieferkette von nicht-zertifiziertem Kakao separiert wird. Wir verlangen die Dokumentation und Separation des Kakaos aus zertifizierter Erzeugung durch die gesamte Lieferkette hindurch – vom Farmer zum Exporteur über den Importeur bis zum verarbeitenden Betrieb. Dieses Überwachungssystem ermöglicht es den Herstellern von Kakao- und Schokoladenprodukten, die das Rainforest Alliance CertifiedTM-Siegel tragen, nachzuvollziehen, dass der gelieferte Kakao nicht mit einem aus nicht-zertifiziertem Anbau vermischt wurde.

Die Kinderarbeit in Westafrika zu bekämpfen ist eine unsere größten Heraus­forderungen. Mit dem Ausweiten der Anzahl von Rainforest-Alliance-zertifizierten Farmen arbeiten wir mit anderen NGOs, Regierungsbehörden und internationalen Organisationen daran, die Ausbeutung von Kindern auf Kakaofarmen zu unter­binden. Die beste Möglichkeit, Farmer für den Sustainable Agriculture Standard – der viele weitere soziale und ökologische Maßnahmen umfasst, die helfen die Lebensqualität zu verbessern – zu gewinnen, ist ihnen einen sicheren Absatzmarkt zu bieten, wo sie ihre Ernten an vorausschauende Unternehmen verkaufen können. Hier kommen die Verbraucher ins Spiel. Also, schauen Sie nach dem Siegel mit dem grünen Frosch! In Deutschland gibt es jetzt zum Beispiel die ersten dunklen Côte d’Or-Schokoladen von Kraft Foods mit Kakao, der von Rainforest-Alliance-zertifizierten Farmen aus Côte d’Ivoire stammt. Übrigens das Ergebnis eines langjährigen Entwicklungsprojektes, an dem die deutsche Entwicklungshilfe, vertreten durch die GTZ, ganz wesentlich beteiligt war.

2 thoughts on “Edward Millard über die Arbeit der Rainforest Alliance in Westafrika (Teil 2)

  1. Ich muss gestehen, dass ich die Rainforest Alliance, d.h. deren Siegel, bis dato nur auf wenigen Produkten wahrgenommen habe. Klingt aber vielversprechend,
    was da angedacht bzw. schon umgesetzt wird. Vor allem die Verbesserung der Lebensbedingungen der lokalen Bauern und Produzenten war mir beim Kauf von fair gehandelten Lebensmitteln immer sehr wichtig. Werde also künftig mehr Augenmerk auf den grünen Frosch legen…Ansonsten wären konkretere Angaben (z.B. zur Einkommensentwicklung der Farmer) wünschenswert – das nur so als Hinweis einer kritischen Verbraucherin. Ach ja, da ich schon mal (vor vielen Jahren) die Elfenbeinküste besucht habe, die Frage: gibt es dort Regenwald-Projekte? Ich bin nicht mal sicher, ob nicht bereits das Gros abgeholzt wurde. Bitte auf dem laufenden halten, ja?!

    • Danke für den Kommentar und den geäußerten Wunsch nach mehr Information zur Einkommenssituation der Bauern. Wir mögen keine Pauschalaussagen, weil die Einkommensverbesserungen von einer Vielzahl von Faktoren abhängig sind: vom einzelnen Betrieb, von der Farmgemeinschaft oder Kooperative; und von Fragen wie: Welche geografische Region wird betrachtet? Um welchen Rohstoff geht es (also Kakao, Kaffee, Bananen, Schnittblumen etc.)? Wie sind die saisonalen Gegebenheiten vor Ort (die sich gerade in den vergangenen Jahren teils sehr schwankend darstellen)? Usw.

      Aber: Wir sehen im Schnitt Mehreinnahmen von etwa 10 bis 20 Prozent pro Tonne/Sack/Pfund Rohstoff. Je nach verbesserter Wirtschaftsweise bleibt netto teils noch mehr übrig.

      Ich möchte Sie in diesem Kontext auch auf unseren Eintrag vom 23. April 2010 aufmerksam machen. Darin hatten wir passend zu Ihrer Frage veröffentlicht:

      Viel wichtiger ist und oftmals unberücksichtigt bleibt, dass die Bauern und Farmer ihre Einkommen schon durch optimierte Landwirtschaftsmethoden steigern. Auch die Produktionskosten etwa für Düngemittel und Geräte, aber auch die Ernteausbeuten, müssen besser kontrolliert werden. Mit dem Rainforest Alliance Certified™-Siegel gelingt es Farmern, die Erntemengen durch besseres Wirtschaften deutlich zu erhöhen. In Kolumbien verzeichnen zahlreiche zertifizierte Farmen eine Steigerung der Ernteausbeute in der Regel um bis zu 20 Prozent. Das allein steigert die Einnahmen. Bei oftmals gleichzeitig höherer Produktqualität erzielen viele Farmer automatisch weitere Prämien. Die United States Agency for International Development (USAID) führte diesbezüglich eine Studie über den Kaffeeanbau in El Salvador durch. Die Erntesaison 2007/2008 für Kaffee war eine gute. Allein die nicht zertifizierten Betriebe erzielten Mengensteigerungen von 22 Prozent Rohkaffee. Demgegenüber stehen jedoch die weitaus besseren Ergebnisse der zertifizierten oder kurz vor der Zertifizierung stehenden Farmen mit einem Mengenplus von 76 Prozent. Darüber hinaus erzielten die Farmer ein Preisprämie über Markt von 13 US-Dollar-Cent pro Pfund.

      Insbesondere das Beispiel aus El Salvador ist ein sehr beeindruckendes: Es weist für Rainforest-Alliance-zertifizierte Kaffeefarmen ein Bruttoplus von 13 US-Dollar-Cent pro Pfund Rohkaffee aus. Das ist ordentlich. Doch viel bedeutender ist unter dem Strich, dass die in der USAID-Studie untersuchten Farmen ihre Erntemenge an Kaffee um 76 Prozent steigern konnten – durch die mit dem Rainforest Alliance Certfied-Programm veränderten landwirtschaftlichen Methoden. Es ist die ungleich höhere Ernteausbeute, die die Einkommenssituation kolossal verbessert, nicht der Pro-Pfund-Preis.

      Zurück zum Kakao:
      Das Committee on Sustainable Assessment (COSA) des International Institute for Sustainable Development (IISD) mit Sitz in Kanada ist eine weltweit anerkannte Einrichtung für die Nachhaltigkeits-Forschung. COSA untersucht und bewertet regelmäßig Entwicklungsvorhaben zum Beispiel in der nachhaltig ausgerichteten Landwirtschaft. In Kürze wird ein COSA-Bericht veröffentlicht, der sich mit positiven Kosteneffekten einer Rainforest Alliance Certified-Zertifizierung für die Kakaolandwirtschaft in der Elfenbeinküste befasst. Soviel schon heute: Rainforest Alliance zertifizierte Farmen (in der Elfenbeinküste sind es eher bäuerliche Gemeinschaften oder Kooperativen) erzielten im Schnitt ein Brutto-Einkommen von 575 US-Dollar pro Hektar. Demgegenüber stehen nicht zertifizierte Einheiten mit einem Brutto-Einkommen von 488 US-Dollar. Nach Abzug aller Kosten nahmen die zertifizierten bäuerlichen Betriebe am Ende netto 21 Prozent mehr ein (435 US-Dollar pro Hektar) als herkömmlich wirtschaftende Bauern (366 US-Dollar pro Hektar).

      In anderen Projekten wurde vermehrt die Ernteausbeute betrachtet, und es konnten beim Kakao Steigerungen von bis zu 50 Prozent bei Rainforest Alliance Certified™-Kooperativen registriert werden.

      Mehr Informationen zu den Wald- und Forstprojekten der Rainforest Alliance gibt es hier.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s