Rainforest Alliance

Edward Millard über die Arbeit der Rainforest Alliance in Westafrika (Teil 1)

Rainforest Alliance Senior Trainer Edmond Konan besucht eine Kooperative von Kakaofarmern in Côte d'Ivoire

Rainforest Alliance Senior Trainer Edmond Konan besucht eine Kooperative von Kakaofarmern in Côte d'Ivoire

Vielleicht haben Sie von der BBC­Reportage „The Bitter Truth of Chocolat“ gehört? Sie setzt sich mit der Kinderarbeit in den kakao­an­bauenden Ländern Elfenbeinküste und Ghana auseinander. Je mehr Schokolade mit zuverlässigen Siegeln wie dem grünen Frosch der Rainforest Alliance in Europa an­ge­boten wird, desto mehr mag man sich fragen, was wir in Westafrika machen. Wie helfen wir den Far-
mern, ihr Auskommen und ihren Lebensstandard zu verbessern?
Und vor allem: Wie unterstützen wir die Bekämpfung von Kinderarbeit?

Die Rainforest Alliance unterstützt den Sustainable Agriculture Standard (SAN-
Standard), nach dem Farmen und Gruppen von Kleinbauern zertifiziert werden, die diesen Standard erfüllen. Wir arbeiten seit vier Jahren in Côte d‘Ivoire und seit zwei Jahren in Ghana. Um das Rainforest Alliance CertifiedTM-Siegel zu erhalten, müs­sen sich die Kakaobauern rund sechs Monate auf ihre Auditierung vorbereiten. In dieser Zeit werden sie darin geschult, die umfassenden Kriterien für sozial und ökologisch verantwortliches Handeln und gute landwirtschaftliche Arbeitsweise umzusetzen. In der Elfenbeinküste und in Ghana haben wir jederzeit 12 bis 15 Aus­bilder vor Ort. Der SAN-Standard beinhaltet unter anderem detaillierte Kriterien zu Beschäftigungskonditionen – auch solche, die die Beschäftigung von Minder­jährigen regulieren, die auf den Farmen arbeiten.

Ein Auszug:

  • [5.8] (zugleich sog. Kritisches Kriterium*) verbietet die direkte oder indirekte Beschäftigung von Kindern als Voll- oder Teilzeitarbeitskräfte, wenn sie unter
    15 Jahren alt sind oder nicht das vorgeschriebene gesetzliche Mindestalter haben, wenn dieses im betreffenden Land höher ist. In Ländern, die die Kon­ventionen der ILO anerkannt haben, muss der Betrieb die Empfehlung 146 der Konvention 138 (Mindestalter) beachten.
  • [5.8] verlangt weiterhin, dass Farmen, die Minderjährige zwischen 15 und
    17 Jahren einstellen, detailliert deren Arbeitszeit und Art der Arbeit proto­kollieren. Jugendliche dürfen nicht länger als acht Stunden am Tag arbeiten. Sie dürfen keine Chemikalien ausbringen oder Tätigkeiten verrichten, die ihre Gesundheit oder Sicherheit gefährden. Die Wochenarbeitszeit darf 42 Stunden nicht überschreiten und darf einer möglichen Ausbildung nicht entgegenstehen. Die Arbeitgeber gewährleisten den Erhalt des Lohns und die Einverständnis der Eltern oder eines Vormunds.
  • [5.9] erlaubt – sofern dies in Übereinstimmung mit geltendem Recht vor Ort steht – Teilzeitarbeit auf einer Farm bei Minderjährigen zwischen 12 und 14 Jah­ren, wenn sie Familienangehörige oder Nachbarn in einer Dorfgemeinschaft sind, in der Minderjährige traditionell in der Landwirtschaft helfen. Ihre tägliche Arbeitszeit darf mit den Stunden für den Schulunterricht und der aufgewendeten Zeit für An- und Rückfahrt nicht länger als insgesamt zehn Stunden an Schul­tagen und acht Stunden an schulfreien Tagen betragen. Außerdem darf die Arbeit die schulische Ausbildung nicht beeinträchtigen. Sie dürfen keine schweren Lasten tragen. Sie dürfen nicht an steilen Hängen oder anderen Gefahren bergenden Stellen beschäftigt werden. Ihre Mitarbeit muss der Aufsicht eines Erwachsenen unterstellt sein.
  • [5.10] (Kritisches Kriterium*) Jegliche Art Zwangsarbeit ist laut Konventionen
    29 und 105 der ILO (Abschaffung der Zwangsarbeit) und der nationalen Gesetz­gebungen verboten. Der Betrieb darf keinen Lohn oder andere Leistungen einbehalten, um Arbeitnehmer zur Arbeit zu zwingen. Arbeitgeber dürfen auch keine Drohungen, Zwang oder Missbrauch jedweder Art anwenden, um die Arbeiter zum Arbeiten zu nötigen. (…)

* Nicht-Einhaltung führt dazu, dass die Farm nicht zertifiziert werden kann. Spätere Verstöße führen zur Aberkennung des Siegels.

Edward Millard

Edward Millard

Edward Millard (60) verantwortet als Direktor für nachhaltige Landwirtschaft die Schulungs- und Fortbildungsprogramme für Farmer innerhalb des auf nachhaltige Erzeugung ausgerichteten Land­wirt­schafts­programmes der Rainforest Alliance. Zu seinem Verant­wort­ungsbereich gehört auch das Heranführen und die Beratung der Farmer bei der Implementierung der Nachhaltigkeitsstandards. Für diese Aufgabe bilden sich unter seiner Führung Arbeitsgruppen auf nationaler Ebene. Sie definieren die lokale Indikatoren, wählen geeignete Erzeugerbetriebe aus und kontaktieren diese. Zu ihnen und geeigneten Partnern für die erforderliche technische Unterstützung hält die Arbeitsgruppe ebenso Kontakt wie sie andererseits daraufhin arbeitet, Regierungsstellen für die Unterstützung der Farmer zu gewinnen. So können die Farmer Schulungen besuchen und technische Hilfestellung erhalten, die ihnen dabei hilft, die Anforderungen für eine Zertifizierung zu erfüllen.

Edward Millard besitzt einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre (business administration). Er verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung darin, wie sich Marktbedingungen für Produzenten in tropischen Ländern verbessern lassen. Sie gewann er unter anderem durch seine Tätigkeit als Manager für Oxfam Fair Trade, die er 14 Jahre lang ausübte, sowie bei Conservation International, wo er weitere 11 Jahre tätig war. Für beide Organisationen war er lange Zeit in Afrika, Asien und Lateinamerika tätig, wo er Kleinbauern darin schulte, wettbewerbsfähiger zu werden. Diesem Thema widmete er auch insgesamt drei Bücher sowie mehrere Aufsätze.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s