Rainforest Alliance

Internationale Süßwarenmesse thematisierte Nachhaltigkeit im Kakaoanbau: Nicht nur Genuss – auch Gewissen

Die Internationale Süßwarenmesse in Köln Ende Januar bot Gelegenheit, neben allem Genussvollen, das sich mit Schokolade verbindet, auch durchaus ernste Themen aufzugreifen. In einer Diskussionsveranstaltung des Forums Nachhaltiger Kakao (FNK – http://www.kakaoforum.de) ging es um Ansätze, den Kakaoanbau nachhaltiger zu gestalten. Eric Servat, verantwortlich für die Märkte Südeuropa und ein erfahrener Kakaoexperte, vertrat die Anliegen und Einschätzungen der Rainforest Alliance. Mit ihm diskutierten Vertreter von Fairtrade International, von UTZ Certified und der GIZ Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Einen authentischen Blick auf die Kakaoanbauländer gewährte Ivy Osei-Sampah von der African Cocoa Coalition.

In der Verantwortung stehen alle

Zu Beginn zeigte Dr. Jürger Zattler vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Punkte auf, die als die kritischsten gelten und dringend von Industrie und anderen an der Wertschöpfungskette Beteiligten angegangen werden müssen: Kinderarbeit und unzureichendes Einkommen für die Kakaobauern. Als Ansatz zur Lösung mit erkennbarem Erfolg führte Zattler freiwillige Nachhaltigkeitsstandards an. Ausdrücklich positiv erwähnte er darüber hinaus die Initiative CCE (Cocoa Certification Enhancement), deren Ziel eine Steigerung des Anteils an zertifiziertem Kakao ist, sowie das Forum Nachhaltiger Kakao, unter dessen Dach die Aktivitäten des CCE fortgesetzt werden. Beide Initiativen wurden von der Rainforest Alliance mitbegründet und werden von ihr nach wie vor aktiv begleitet.

Eric Servat brach eine Lanze für alle Standard setzenden Organisationen, indem er auf die bestehenden Gemeinsamkeiten hinwies. Alle eint ein Ziel: den Anbau nicht nur von Kakao nachhaltiger, also ökologischer, sozialer und wirtschaftlich einträglicher, zu machen. Er betonte aber auch, dass Unterschiede im Detail sehr wohl dem Verbraucher entgegenkommen, der seinerseits eine Wahl bekommt, welches Hauptanliegen er besonders unterstützen möchte. Andererseits entstehen gerade so Impulse, auch Standards beständig zu verbessern und zu überprüfen.

 

Bodenfruchtbarkeit erhalten

Ohne geeignete Schulungsmaßnahmen ist allerdings ein Standard zahnlos, sei er noch so verantwortlich und umfassend aufgesetzt. Die Bauern, die sich zertifizieren lassen möchten, müssen einen oft langen Weg beschreiten. Zu wenig Wissen und ungenügende Praxiserfahrung herrschen häufig vor und erschweren einen erfolgreichen Kakaoanbau mit guten Erträgen. Ivy Osei-Sampah, die Vertreterin der ACC aus West-Afrika, hob insbesondere die Bedeutung der sogenannten „guten agrarischen Praxis“ hervor, die Umweltaspekte berücksichtigt. Wie der Verlust an fruchtbarem Boden vermieden werden kann, müsse ein wichtiger Schulungsaspekt sein. Und sie wünscht sich gestärkte Bauern, die als Gruppe selbstständig den Kakaopreis verhandeln und selbstbewusste, aufgeklärte Geschäftspartner sind.

Mit einer lebendigen Schlussdiskussion zeigten sich die Zuhörer sehr am Thema interessiert. „Welches Siegel ist das beste?“ „Wie wird Rückverfolgbarkeit sichergestellt?“ „Wie sehen die Trainings vor Ort aus?“ waren die wichtigsten Themen. Überhaupt auf ein Siegel zu achten und damit schon ein deutliches Signal zu setzen, war die Antwort auf die Verbraucherfrage, die für ein (berechtigtes) Vertrauen in Siegel warb und aufzeigt, welcher Unterschied im Kakaoanbau bei den so ausgezeichneten Produkten bereits erkennbar wird. Rückverfolgbarkeit ist nach Auffassung der Rainforest Alliance nur gegeben, wenn von Anfang an der Kakao getrennt gehalten wird und sich dann auch in der gelabelten Schokolade wiederfindet, was Segregation genannt wird. Nicht, wie es nun von manchen großen Herstellern propagiert wird, die offenbar Massebilanzsysteme bevorzugen. Dabei kann es sein, dass praktisch kein Kakao aus zertifiziert nachhaltigen Quellen im konkreten Endprodukt enthalten ist. Ähnlich dem Ökostrom im Stromnetz.

Zur Frage der Trainings können sich Interessierte an verschiedener Stelle in unserem Blog informieren oder Videoclips im Multimediabereich der Website www.rainforest-alliance.org/multimedia ansehen oder gleich eine eigene Trainingsstunde in der Theorie absolvieren: www.sustainableagriculturetraining.org.

Ein Fazit der Veranstaltung fasste Friedel Hütz-Adams vom Südwind Institut so zusammen: Standards können einiges erreichen, aber sie können nicht alle Erfordernisse im Kakaoanbau abdecken. Wichtig ist vor allem, Projekte auch auszuwerten, um von den Ergebnissen zu lernen und zielführende Maßnahmen fortzusetzen. Weiteres Ziel müsse sein, die nach wie vor bestehende große Mehrheit an Bauern zu erreichen, die sich noch nicht organisiert und keiner Initiative angeschlossen haben. Auch müsse den Bauern bewusst gemacht werden, wie wichtig der Anbau von Nahrungsmitteln für den eigenen Bedarf sei und welche Bedeutung einer Diversifizierung bei den Anbaufrüchten zukomme. All dies sichert Unabhängigkeit und damit die eigene Existenz und deckt sich mit den Programminhalten der Rainforest Alliance-Schulungen und auch den Kriterien des SAN-Standards für nachhaltige Landwirtschaft, der dem Siegel Rainforest Alliance Certified™ zu Grunde liegt.

2 Gedanken zu “Internationale Süßwarenmesse thematisierte Nachhaltigkeit im Kakaoanbau: Nicht nur Genuss – auch Gewissen

  1. Wow, die Präsenz der Rainforest Alliance in der Wahrnehmung beim Verbraucher als auch als ernstzunehmender Player auf einschlägigen Kongressen und Plattformen zu nachhaltigem Erzeugen von Kaffe und Co. nimmt mE stetig zu. Schön zu lesen, dass es voran geht!

  2. Pingback: Feiert mit uns den World Wildlife Day | The Frog Blog Deutsch

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