Klimaschutz/Landwirtschaft/Rainforest Alliance/SAN

Starke Nachfrage nach nachhaltig erzeugtem Kakao treibt Entwicklung auch in Ghana an

Im zweiten Blog der Serie erzählt Marcus Schaefer, was die Rainforest Alliance für die Bauern bedeutet, die er in Ghana in der Juabeso-Bia-Region besucht hat. Hier geht es zu seinem ersten Artikel. Wie Christian Mensah die Lage in Ghana einschätzt, erzählt unser West-Afrika-Manager hier selbst.

“Über 10 Prozent des weltweit produzierten Kakao kommt bereits von Rainforest-Alliance-zertifizierten Farmen. Im Jahr 2012 stieg ihre Zahl um mehr als 300 Prozent auf knapp 200.000. Heute arbeiten internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs), verschiedene UN-Programme, Konzerne, nationale Hilfsorganisationen und lokale Regierungen zusammen, um den Landwirten zu einer nachhaltigeren Landnutzung zu verhelfen. Der stärkste Treiber dieser Entwicklung ist die Selbstverpflichtung von großen Schokoladeherstellern, nachhaltig erzeugten Kakao für ihre Produktion zu beziehen. Einer der Hauptgründe für das Engagement der Unternehmen ist, dass sie ihren eigenen Nachschub mit Kakao auch zukünftig sichern wollen. Die weltweite Nachfrage steigt nämlich jedes Jahr an. Doch gleichzeitig sehen viele Bauern in der Elfenbeinküste und in Ghana, den globalen Hauptlieferanten des Kakaos, ihre Erträge aufgrund des Klimawandels, überalteter Baumbestände und veralteter landwirtschaftlicher Methoden schwinden. Aber der Weg von Entscheidungen in klimatisierten Tagungsräumen im Norden zu den kleinen Kakaobauern in Ghana und der Elfenbeinküste, deren Grundstücke oft nicht größer als ein bis drei Hektar sind, ist sehr lang. Und es ist eine riesige Aufgabe, Tausende Kleinerzeuger zu erreichen. Damit sie nachhaltige Veränderungen schaffen, muss jeder Kakaobäuerin und jedem Kakaobauer bewusst werden, welche Herausforderungen sie erwarten. Gute Ausbilder müssen das nötige Wissen vermitteln, wie sie Farmer ihre Farmen mit Respekt vor Mensch und Natur führen und davon selber profitieren können.

Die Kakaobauern treffen sich in Farmer Field Schools, wo sie lernen, ihre Landwirtschaft zu verbessern. Als ich eine Bauernschule im Dorf Eteso besuchte, waren die Tagesthemen “Kinderarbeit” und die “Verarbeitung der Kakaohülsen und -bohnen nach der Ernte”. Im Gespräch mit den Teilnehmern waren sich alle einig, dass das Rainforest-Alliance-Projekt ihnen große Vorteile gebracht hat und dass eines ihrer größten Probleme der Mangel an Wissen ist. Asante Nkuah William erklärt, dass er sich dank der Rainforest Alliance zu einem besseren Kakaobauern entwickelt hat: “Das Größte für mich ist, dass ich meine Erträge verdreifacht habe. Ich habe dazu meine landwirtschaftliche Praxis geändert. Ich schneide die Bäume anders, ich benutze Dünger in der richtigen Dosierung und zum richtigen Zeitpunkt und ich habe aufgehört, die falsche Art von Pestiziden zu versprühen. Vor der Weiterbildung mit der Rainforest Alliance kaufte ich einfach, was unser lokaler Händler mir anbot – das war falsch.” Asante hat die ältesten und am wenigsten produktiven Kakao-Bäume auf seinem Hof durch neue ersetzt. Gleichzeitig pflanzte er schnell wachsende Schattenbäume, die sein Grundstück vor der Sonne schützen. “Wenn es an der Zeit sein wird, die Kakao-Bäume zu ersetzen, werde ich die Schattenbäume teils auch fällen und sie an Holzhändler verkaufen – eine zusätzliche Einnahmequelle”, sagt Asante Nkuah William. “Mein Leben ist sehr gut, alle meine drei Kinder besuchen die Schule und das ist das Wichtigste. Sie sind meine Versicherung, falls der Kakaoanbau scheitern sollte.”

Der Klimawandel ist ein großes Problem für die Kakaobauern. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit der Rainforest Alliance in der Gegend ist darum, dass die Landwirte sich anpassen lernen. Eine wichtige Maßnahme dazu ist die Agro-Forstwirtschaft: Hochwachsende Bäume bieten der Kakao-Farm einerseits Schutz vor der brennenden Sonne. Sie tragen andererseits auch dazu bei, die Bodenerosion zu verringern, die Bodenqualität zu verbessern und binden mehr Wasser, Kohlenstoff und Stickstoff im Boden. Dies wiederum reduziert die Notwendigkeit für Düngemittel und erhöht den Kohlenstoffspeicher. Teresa Baido gibt zu, dass sie vor dem Projekt nicht wusste, wie stark der Klimawandel ihre Farm beeinflusst oder wie wichtig die Schatten spendenden Bäume für eine bessere Ernte sind. “Ich habe nicht gewusst, wie man effektiv Düngemittel anwendet. Ich habe bloß sieben bis acht Säcke vom ganzen Hof geerntet. Heute schaffe ich 15 Säcke”, sagt Theresa Baido stolz. “Ich habe gelernt, wie ich Dünger auf die effizienteste Art und Weise sowohl für die Natur als auch für eine bessere Rendite auf meiner Farm nutze.” Und sie fügt hinzu: “Früher halfen die älteren Kinder während der Erntezeit und öffneten die Kakaoschoten mit dem Buschmesser. Ich weiß, wie gefährlich das für die Kinder ist. Meine jüngsten Kinder gehen jetzt zur Schule, und ich bin froh um ihretwillen. Die Schule macht es ihnen möglich, einen anderen Beruf zu wählen, wenn sie es wollen. “

4 Gedanken zu “Starke Nachfrage nach nachhaltig erzeugtem Kakao treibt Entwicklung auch in Ghana an

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