SAN

Ein Lohn, um zu leben – Mitmachen ist angezeigt!

Man kann es nicht oft genug sagen: Seit mehr als 20 Jahren schützen die Prinzipien des Sustainable Agriculture Network (SAN) Land, Arbeiter und Kinder sowie das Wildleben in den Tropen. Die Welt ist seit der Gründung des SAN eine andere geworden – die Globalisierung in der Produktion, in Forst- und Landwirschaft, aber auch im Tourismus hat ungeheuer an Tempo zugenommen und ist weit vorangeschritten. Viele Herausforderungen bestehen immer noch oder sind weitaus größer geworden. Um sich den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und um zu überprüfen, ob der SAN-Standard für Nachhaltige Landwirtschaft weiterhin das leistet, was er leisten soll, lädt das Sustainable Agriculture Network (SAN) zur Public Consultation (Öffentliche Beratungen) ein.

Der erste Standard wurde in und für Lateinamerika entwickelt und 1993 veröffentlicht. Die erste Farm konnte 1994 zertifiziert werden.  Seitdem wurden in 43 Ländern über 2,6 Millionen Hektar Land zertifiziert und das auf allen Kontinenten, die tropische oder subtropische Regionen aufweisen. Damit der Standard allen noch so vielseitigen Anforderungen gerecht werden kann, gibt es für ihn „local interpretation guidelines“. Richtlinien also, die dabei helfen, die Kriterien für verschiedene Pflanzen und für verschiedene Regionen und Kulturen anwend- und überprüfbar zu machen. Erarbeitet werden diese Vorgaben in einem multilateralen Prozess, der viele Stakeholder mit einbezieht.san-logo

Der Ansatz, mit vielen Beteiligten eine gemeinsame Lösung zu finden, gehört zu den Stärken, die sich auch im Standard selbst wiederfinden. Damit auch dieser immer aktuell bleibt, lädt das SAN regelmäßig zur Public Consultation. Sowohl in produzierenden als auch in abnehmenden Ländern treffen sich in den Workshops rund um den Globus Experten aus Zivilgesellschaft, Politik, Industrie und Handel und besprechen, was die neue Fassung des Standards beinhalten soll. Kritisiert sind vermeintliche Missstände schnell. Änderungen an Standards lassen sich leicht fordern. Nun besteht etwa am 18. Juni 2013 in Frankfurt am Main für alle eingeladenen Institutionen und Gruppen aus Deutschland die einmalige Möglichkeit, die nächste Generation an SAN-Standards mitzugestalten. Eine Chance, die niemand verpassen sollte, der es tatsächlich ernst meint mit der Nachhaltigkeit!

Auch in diesem Jahr werden öffentliche Beratungen stattfinden. Der Prozess lief bereits im April 2013 in Addis Abeba an und wird im Juni auch in Europa ankommen. Ein Thema, welches weit oben auf der Agenda steht, wird die komplexe Frage nach einem „living wage“, dem auskömmlichen, also existenzsichernden Lohn, sein. Schon im Januar 2013 lud das SAN zu einem Workshop nach Amsterdam ein, um sich dort allein diesem Punkt zu widmen. Denn obwohl ein allgemeiner Konsens darüber herrscht, dass die Löhne der Arbeiter zum Leben ausreichen müssen, gibt es bislang keine umfassende, vollständige Definition davon, was einen „living wage“ letztlich auszeichnet oder wie er auditiert werden könnte. Einig sind sich alle, dass (gesetzliche) Mindestlöhne – soweit vorhanden – häufig nicht (mehr) ausreichen!

Das SAN möchte eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind. Nicht nur die Farmer und Arbeiter, sondern auch die NGOs, die zu diesem Prozess herzlich und offiziell eingeladen sind.

Bereits in die Standard Version 2 von 2010 wurden strikte Vorgaben zu Trinkwasser, Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung und den Unterkünften aufgenommen. Der Vorschlag des SAN, welche Faktoren noch unbedingt betrachtet werden müssen, um einen auskömmlichen Lohn zu erhalten, umfassen die Transportkosten des täglichen Wegs zur Arbeit, Kosten für Kleidung und ordentliches Essen sowie die Möglichkeit für Arbeiter, Teile ihres Verdienstes sparen zu können, z. B. für Notfälle oder Zeiten der Arbeitslosigkeit.

ffh2

Einen auskömmlichen Lohn berechenbar für verschiedene Märkte und für verschiedene Regionen zu machen, ist die große Herausforderung, der sich das SAN und die Rainforest Alliance schon seit geraumer Zeit stellen. Zuletzt wurde das Thema der auskömmlichen Löhne von Oxfam UK für den Teesektor aufgeworfen. In einer Koalition mit der Ethical Tea Partnership, Fairtrade International, Utz Certified und natürlich Oxfam wird die Rainforest Alliance daran arbeiten, dass der Lohnspiegel auf zertifizierten Teeplantagen das gesetzliche Mindestmaß übersteigt und zu einem existenzsichernden Lohn führt.

Was Oliver Bach, Standards & Policy Director beim Sustainable Agriculture Network (SAN) in Costa Rica, außerdem unter “living wage” versteht, kann in einem Frogcast nachgehört werden.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s