Landwirtschaft/Rainforest Alliance

“Wir engagieren uns, um die landwirtschaftliche Produktivität und das Leben der Bauern zu verbessern”

Im heutigen Blog befragen wir Steven Retzlaff, Leiter globale Beschaffung & Kakao von Barry Callebaut, über den weltweit größten Schokoladenhersteller und die Zusammenarbeit mit der Rainforest Alliance.

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Welchen Herausforderungen muss sich die Kakao-Branche in den nächsten fünf Jahren stellen?

Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität ist sehr wichtig, damit der Kakaoanbau den künftigen Generationen eine nachhaltige Lebensgrundlage bieten kann. Denn bis 2020 wird die globale Kakao-und Schokoladenindustrie eine Million Tonnen Kakaobohnen zusätzlich benötigen, um die steigende Nachfrage nach Schokolade aus den Schwellenländern in Asien, Osteuropa und Amerika zu erfüllen. Die Lieferkette von Kakao ist eine der komplexesten der ganzen Lebensmittelindustrie. Weil Kakao vor allem von Kleinbauern angebaut wird, wirft sein Anbau soziale, ökologische und wirtschaftliche Fragen auf – und alle sind miteinander verbunden. Die heutige Realität der Landwirte ist, dass sie eine Wissenslücke, eine Hilfsstofflücke und eine Finanzierungslücke bewältigen müssen. Bei Barry Callebaut arbeiten daran, diese Lücken zu  schließen, zusammen mit Genossenschaften und Bauern-Organisationen.

Welche Rolle spielt für Sie eine unabhängige Zertifizierung, wie Rainforest Alliance Certified, beim Umbau der Kakaoindustrie auf eine breitere ökologische, soziale und wirtschaftlich nachhaltige Basis?

In den letzten paar Jahren hat das steigende Interesse an unabhängige Zertifizierung eine Katalysator-Funktion für die landwirtschaftliche Ausbildung der Bauern und für die betriebswirtschaftliche Weiterbildung ganzer Genossenschaften und bäuerliche Organisationen eingenommen. Dies wird sowohl Bewusstsein wie auch Know-How für eine nachhaltige Kakaoproduktion in wichtigen Kakaoanbauregionen erweitern. Die Herausforderung für die Landwirte und ihre Organisationen ist nicht nur, die verschiedenen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Kriterien zu erfüllen und die jährlichen Audits zu schaffen: Vielmehr müssen sie Jahr für Jahr ihre Leistungen selbst bewerten und verbessern.

Glauben Sie, die Rainforest-Alliance-Certified-Zertifizierung ist ein wirksames Mittel, um gegen Armut, Verlust der Artenvielfalt und Kinderarbeit anzugehen?

Armut, Verlust der Artenvielfalt und Kinderarbeit sind jeweils komplexe Themen. Leider gibt es nicht einfach eine Methode, ein Programm oder eine Taktik, die für alle passt. Die Vorbereitung der Landwirte auf die Zertifizierung umfasst Weiterbildung in guter landwirtschaftlicher Praxis, in integrierte Krankheits- und Schädlingsbekämpfung, sowie bezüglich der sicheren und intelligenten Anwendung von chemischen Produkten. Sie umfasst auch die Diskussion über gesellschaftsverantwortliche Arbeitsbedingungen und über die Bedeutung des Schutzes der natürlichen Ressourcen. Eine solche Ausbildung ist Grundlage: Wenn dann das Gelernte in die Praxis umgesetzt wird, hilft es, gegen den Verlust der biologischen Vielfalt anzugehen, die Linderung der Armut anzupacken und faire und gesunde Arbeitsbedingungen anzubieten. Gleichzeitig steigt die Produktivität, und es findet eine Sensibilisierung der Gemeinschaften zum Schutz der Kinder statt.

Was denken Sie, ist die Rolle der Kakao-Industrie bei der Beseitigung von Kinderarbeit?

Jeder Akteur in der Wertschöpfungskette kann seine Rolle im Kampf gegen Kinderarbeit spielen und sicherstellen, dass Kakao auf verantwortliche und nachhaltige Art angebaut wird. Zwar sind in den letzten Jahren Fortschritte gemacht worden, doch wir wissen, es gibt noch viel zu tun. Die Regierungen Ghanas und der Elfenbeinküste haben uns durch ihre ernsthafte Selbstverpflichtung und ihr Engagement ermutigt: Sie haben viele Schritte unternommen, um die privaten und öffentlichen Ansätze besser zu koordinieren und abzustimmen. Eine der wichtigsten Ursachen für Kinderarbeit ist Armut. Bei Barry Callebaut glauben wir, dass die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und die Möglichkeit, mehr und hochwertigeren Kakao auf bestehenden Flächen zu kultivieren, die Lebensgrundlage der Bauernfamilien verbessern wird. Ebenso wie der Anbau von weiteren Nutzpflanzen, die die Ernährung der Familie  bereichern und das Familieneinkommen ergänzen. Gleichzeitig müssen wir gewahr sein, dass es viele Probleme in ländlichen Gemeinden gibt, die sowohl die Armut verschärfen wie auch eine Folge des niedrigen Niveaus der ländlichen Entwicklung sind, wie schlechte Straßen, unzureichende Transportmöglichkeiten, Schul- und Lehrermangel, der fehlende Zugang zu sauberem Wasser und zur medizinischen Grundversorgung. Durch unseren sogenannten „Quality- Partner-Programm“, bieten wir Kakaobauern landwirtschaftliche Trainings an, um die Produktivität zu steigern und ihnen dabei helfen, ihre sozialen Bedürfnisse zu erfüllen.

Der zweite Teil des Interviews unserer Schweizer Kollegin Fausta Borsani mit Steven Retzlaff wird in Kürze veröffentlicht.

One thought on ““Wir engagieren uns, um die landwirtschaftliche Produktivität und das Leben der Bauern zu verbessern”

  1. Ich denke, Arbeitsbedingungen und Lohnniveau schrittweise anzuheben, ist die beste Friedens- und Sozialpolitik für Afrika. Bitte setzt euer Engagement fort. Ich selbst habe ein Patenkind in Äthiopien, aber NGO’s und solche Initiativen können ein Vielfaches an Gutem bewirken!

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