Landwirtschaft/Rainforest Alliance

Überwiegend unfair? Voll und ganz Rainforest Alliance!

In der letzten Ausgabe der Ökotest kann man es wieder lesen: Das Siegel Rainforest Alliance Certified™ sei überwiegend unfair. Richtiger wäre hingegen die Feststellung gewesen, dass die Rainforest Alliance nicht Fairtrade ist. Obwohl die Ansätze der beiden Organisationen grundsätzlich verschieden sind und beide auf ihre individuelle Weise zielführende Lösungen für die Probleme in den Tropen bereitstellen, wird der Rainforest Alliance immer noch und immer wieder dieser Aspekt vorgeworfen. Dass es allerdings kein Nachteil sein muss, nicht Fairtrade zu sein, kann Holger Riep bezeugen. Er berichtet von seiner direkten Erfahrung mit den verschiedenen Zertifizierungsmodellen auf der Farm Monimbó Coffee Estates in Nicaragua.

Liebe Leserinnen und Leser des Frogblogs,

ich möchte einige Erfahrungen, die die Monimbó-Farm in Nicaragua und ich hier in Deutschland zum Thema Zertifizierung gesammelt haben, im Folgenden zusammenfassen. Mein Freund aus Studienzeiten in Darmstadt, Danilo Marenco Batres, führt seit dem Jahr 2003 die Plantage seiner Eltern mit etwa 50 festangestellten Mitarbeitern. In der Erntezeit sind bis zu 300 Personen auf der Plantage tätig. Nachdem ich probeweise zehn Säcke des Kaffees nach Deutschland per Flugzeug importiert, in Frankfurt rösten lassen und hinsichtlich der Qualität und des Geschmacks gegenüber anderen Kaffees, die ich bislang kannte, für unvergleichlich eingestuft hatte, beschloss ich, in enger Zusammenarbeit mit meinem Freund, den Vertrieb dieses Kaffees beruflich auszuüben. Bereits im Jahr 2002 hatte ich mich durch einen Besuch der Plantage von dem Engagement meines Freundes sowohl für die Herstellung eines hochwertigen Kaffees als auch für die Verbesserung von sozialen Faktoren und Arbeitsbedingungen auf und im Umfeld der Plantage überzeugen können.

Holger Riep erklärt die Vorzüges des Monimbó Kaffees.

Bei der Erarbeitung meines Unternehmenskonzepts für den Vertrieb des Kaffees stellte sich auch die Frage nach der Nachweisbarkeit des fairen Handels und der Überprüfbarkeit der vorbildlichen Arbeitsbedingungen auf der Farm. Für mich war klar, dass eine Zertifizierung des fairen Handels nur durch „Transfair“ in Frage kommt, mir waren damals keine weiteren Zertifizierungsmöglichkeiten bekannt, und dass das Erfüllen der Anforderungen zur Erlangung des Transfair-Siegels kein Problem darstellen würde. In einem Telefonat mit Transfair wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Für eine Plantage, die nicht als Kooperative geführt wird, sondern als privates Unternehmen, ist es nicht möglich, von Transfair zertifiziert zu werden. Dies war eine große Überraschung, und wir waren zunächst sehr erstaunt. Nach einer Weile, nach vielen Gesprächen mit Personen, die ebenfalls im Kaffeegeschäft tätig sind, erhielten wir eine Vielzahl wichtiger Fakten, die uns bis dato unbekannt waren. So ist die Vielzahl an Kaffees, die fair gehandelt sind, überhaupt nicht zertifiziert. Vielfach ist der Verkauf von fair gehandeltem Kaffee Vertrauenssache. Des Weiteren stellten wir fest, dass es weitere Zertifizierungen und Gütesiegel gibt, die inhaltlich viel besser zu unserer Kaffeeplantage passen. Danilo Marenco Batres hatte zu dieser Zeit bereits Erfahrungen mit Zertifizierungen gesammelt, da sich die Farm durch den Verkauf des Kaffees nach Nordamerika vor dem Verkauf harten Auditorien unterziehen musste, die sie alle bestand. Nach Prüfung verschiedener Zertifizierungen entschieden wir uns, bei Rainforest Alliance diese anzufragen. Im Jahr 2006 wurde die Zertifizierung nach problemloser Kontaktaufnahme zum ersten Mal durchgeführt und auf Anhieb mit 83 % von möglichen 100 % bestanden. Durch Unterstützung von Rainforest Alliance und durch enorme eigene Anstrengungen in den Folgejahren, hat die Plantage im Jahr 2010 bei der Zertifizierung die höchste jemals in Nicaragua vergebene Punktzahl von 99,25 % erreicht. Die Zertifizierung betrachtet neben den Arbeitsbedingungen und weiterer sozialer Faktoren auf den Plantagen zu 40 %  Naturschutz- und Umweltaspekte, die insgesamt ein breites Spektrum zur Beurteilung der Nachhaltigkeit der Plantagenwirtschaft abdecken. Mittlerweile hat die Plantage weitere Zertifizierungen (Utz Certified und Nespresso) durchführen lassen. Diese dienen sowohl der weiteren Verbesserung der Plantagenwirtschaft, unter Einbeziehung der Umwelt und der dort lebenden und arbeitenden Menschen, als auch der Steigerung des Verkaufspreises von Rohkaffee. Ein Siegel lässt immerhin den Verkaufspreis um ca. 10 Cent/ Quintal steigen – theoretisch.

Den Spezialitätenkaffee aus dem Hochland Nicaraguas gibt es in verschiedenen Packungsgrößen vorgemahlen oder als ganze Bohnen.

Nach sechs Jahren enger Zusammenarbeit mit Rainforest Alliance lässt sich ein überaus positives Fazit ziehen. Die Plantage hat sich enorm weiterentwickelt und ein fairer Handel lässt sich auch, oder sollte man sagen vor allem ohne Siegel durchführen. Der Rohkaffee wird bereits dann bezahlt, wenn das Geld auf der Plantage benötigt wird, nämlich bei der Ernte. Der Preis wird direkt abgesprochen und liegt im Durchschnitt 30 Cents über dem Preis an der New Yorker Warenterminbörse. Sicherlich ist es sehr wichtig, dass auch Kleinbauern gegen Ausbeutung geschützt werden. Ein direkter Vergleich der Siegel und Zertifizierungen miteinander oder gar gegeneinander ist aufgrund sehr unterschiedlicher Ansätze und Historien der Zertifizierungen aus meiner Sicht nur sehr schwer möglich. Ich find es schade, wenn viele sehr gut gemeinte Ideen und Ansätze verglichen werden, um das eine gegen das andere abzuwerten. Die gute Absicht bleibt dabei auf der Strecke.

Weitere Informationen zum Konzept von Monimbó Coffee Estates können Sie auf unserer Homepage nachlesen: www.monimbocoffee.de.

Es grüßt Sie alle

Holger Riep

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